*
Von den Worten und Weisen des Gesangbuches
immer die Reinheit und Einfalt des apostolischen Glaubens bewahrt haben. Unser Gesangbuch bietet uns aus der alten griechischen Kirche, von der auch unser ältestes Abendmahlsgebet stammt(S. 477), den Bittruf„Herr, erbarme dich“(S. 446), den Wechselgesang, den man an das„Ehre sei Gott“ angeschlossen(S. 448, Nr. 88, 2— 4), und den majestätischen Lob- und Bittgesang, den man nach den Unfangsworten seiner lateinischen ÜUbersetzung das Tedeum zu nennen pflegt(Nr. 391, S. 455), obwohl auch die evangelische Kirche ihr Tedeum besitzt, in dessen Worten ein Gebet der Gemeinde Israels widerklingt(Nr. 216, Sirach 50, 24— 26). Mehr noch haben wir aus der lateinischen Kirche erhalten das Weihnachtslied des Spaniers Aurelius Prudentius Clemens(Nr. 561), den Pfingstgesang aus Rom(S. 445), die Bitte an den heiligen Geist von dem König Robert von Frankreich(Nr. 378), den tiefernsten Gesang aus
dem schweizerischen Mönchskloster von St. Gallen(Nr. 358) u. a.
Alle diese Lieder waren nicht in der Sprache des Volkes, sondern in der Priestersprache, dem Latein, gesungen. Aber obgleich die Kirche des Mittelalters in ihren Gottesdiensten dem Gesange der Gemeinde wenig Raum ließ, so hat sich doch der fromme Drang auch in Liedern der Muttersprache geäußert, und wir haben wohl allen Grund, die kräftigen, treuherzigen Lieder unserer Vorfahren in Ehren zu halten und die majestätischen Weisen anzustimmen, mit denen sie die großen Taten Gottes gepriesen haben. Da steht an erster Stelle das Oster⸗ lied„Christ ist erstanden“(Nr. 61), von dem Luther gesagt hat: „Aller Cieder singet man sich mit der Seit müde, aber das Christ ist erstanden muß man alle Jahre wieder singen.“ Und wie man von diesem Ciede im Jahrhundert der Reformation geschrieben hat:„Hie jubiliert die ganze Kirch mit schallender, hoher Stimm und unsäg⸗ licher Freud“, so sollte es auch unserm musikkundigen Geschlechte keine Mühe machen, die gewaltige Weise zu lernen, mit der unsre Däter schon im 12. Jahrhundert ihrer Osterfreude Husdruck gegeben haben. Kuch die erste Strophe des Weihnachtsliedes„Gelobet seist du, Jesu Christ“(Nr. 21), der Pfingstlieder„Komm, heiliger Geist“, „Nun bitten wir den heiligen Geist“(Nr. 81 85), des Gesanges „Mitten wir im Leben sind“(Nr. 338) stammen aus der vor— reformatorischen Kirche. Sind nun die Dichter dieser Strophen un⸗— bekannt geblieben, wie die Verfasser so mancher Vollslieder, so nennen wir im Elsaß mit§Sreuden die Namen zweier Mönche, die in unserem Cande gelebt haben, und von denen uns fromme Lieder
482


