N ie beschrelbung von der Zerstoͤrung Jerusalems. N
Antonla gerichtet. Titus ließ nach seiner gütigen und mitleidigen õe; sinnung die Belagerten abermals durch den Josephus zur Ubergabe ermahnen; allein ob dieser gleich durch eine sehr nachdrückliche Rede und mit cranen sie ju bewegen such; te, so wurden doch alle Vorstellun⸗ gen nur mit Schimpfworten und so⸗ gar mit Pfeilen erwidert. Viele Ein· wohner suchten indes durch die flucht ihre Errettung und erhielten auch solche, wenn sie der Wachsam; keit und den Schwertern der Besat⸗ jung zu entgehen vermochten, aͤurch dlie õelindigkeit des Titus. Die aber in die hande der Rõmer flelen, wur; den in so großer enge in dem An; gesichte der Stadt gekreuzigt, daß nach Josephi Nusdruck es zuletzt an kaum und holz zu streuzen man⸗ gelte. Ein gewiß sehr merkwürdi⸗ ger Anblick vor einer Stadt, deren Einwohner die streuzigung(hristi dem pilatus mit der größten Wut abgedrungen haͤtten. Titus lieh in· zwischen diese õrausamkeit ju, um ju versuchen, ob vielleicht die furcht vor einer gleichen Bestrafung die hartnãckigkeit der Belagerten über⸗ winden möchte. Aber sowenig die⸗ ses, als die bereits sehr vunehmende hungersnot, noch auch die wieder⸗ holten Warnungen des römischen feldherrn, die Stadt, den Tempel und ihr eigenes Leben ju retten, vermochten etwas bei diesen gänz⸗ lich Uerstockten auszurichten; sie erklärten vielmehr dem Titus selbst mit untermengter Verschmähung, daß sie lieber sterben, als sich erge· ben wollten, und beriefen sich da⸗
bei frech auf den Schutz õottes, des⸗ sen Verächter sie doch waren.
Die fortsetzung ihrer verzweiflungs⸗ vollen Gegenwehr nötigte endlich dencitus, die Stadt mit einer sauer völlig einzuschließen. hierdurch wärd dasjenige aufs genaueste er⸗ füllet, wie Christus vorher geweis⸗ saget, und die erschrecklichehungers⸗ not nebst allem damit verbundenen äußersten Elend nahm nun völlig überhand. Ausgejehrte menschen suchten bei Tausenden vergeblich ihre Erhaltung. Die bewaffneten Räuber fielen in die häuser, be⸗ mächtigten sich aller Nahrungsmit⸗ tel, und qualten mit den entsetzlich · sten Martern alle und jede, auf welche nur der Verdacht einiger Verbergung fiel. Die Eltern rissen ihren findern, und diese ihren El⸗ tern und Geschwistern den letzten Bissen aus dem unde. Viele, die diesem Jammer durch die flucht zu dlen Römern zu entrinnen suchten, wurden von den Soldaten in der Uermutung, daß sie õold verschlun; gen, lebendig aufgeschnitten. Man suchte durch die unnatürlichsten Mittel die Stillung des hungers, und eine bemittelte Mutter, die durch diese Plage zur ãußersten Ver jweiflung gebracht war, schlachtete und kochte ihr eigenes seind und bot, da sie einen Teil desselben ver; zehret, den grausamen striegsknech⸗ ten die andere hälfte dar. Alle Straßen waren mit Leichen bedeckt, und das Sterben war so häufig, daß vom 14. April bis zum 1. Julius 115 880 Leichen zu einem Tore hin- ausgebracht und ooο ooο über die
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