12⁸ IX. Gebete.
so oft und sehr erzürnet habe. Ich bin durch deine Gnade ein wenig zu mir selbst gekommen und habe mein sündliches Leben erforscht und finde nichts bei mir, wenn ich die Wahr⸗ heit sagen will, als ein verfinstertes Herz voller Sünden, ein Gewissen, das die Anklage großer Missethaten beschweret.
Ich weiß kein Laster, damit ich mich nicht auch be⸗ flecket finde, als mit Zorn, Hoffart, Unbeständigkeit, Un⸗ sauberkeit des Mundes, Lästerungen und Schmähungen, Ungehorsam, ärgerlichen und bösen Sitten, Übermut, Be— trug, Halsstarrigkeit, Nachlässigkeit im Guten; ich bin von Jugend auf nicht recht geneigt gewesen zu Einigkeit und Frieden; ich habe meinem Nächsten nicht gern und willig gedienet; ich bin fertig gewesen mit meiner Zunge zu reden wozu ich wenig Grund gehabt habe, und geschickt meinen Nächsten zu übervorteilen, freventlich zu richten; zänkisch, spöttisch, undankbar, lügenhaft; und daß ich's gar heraus⸗ sage, so finde ich mich, lieber Gott, aller Sünden schuldig und deswegen würdig der ewigen Verdammnis.
Aber Herr, du sagest, du wollest nicht den Tod des Sünders, sondern daß er Buße thue, sich bessere und lebe, du sprichst, daß dir auch kein Opfer besser gefalle als ein zerknirschtes Herz. So nimm nun an, o Herr, mein ar⸗ mes, betrübtes und zerschlagenes Gewissen; erbarme dich über mich armen Sünder um deines lieben Sohnes willen und wirf alle meine Sünden in die Tiefe des Meeres, auf daß derselben in deinem strengen Gerichte nicht mehr


