22 II. Das Abendmahl.
Brot und Wein wird der Leib und Blut Jesu Christi geboten. Nicht also, daß das Brot wesentlich in den Leib, der Wein wesentlich in das Blut Jesu Christi verwandelt und doch dem Brot und Wein, was sein Wesentliches ist, Farbe, Geruch und Geschmack, bewahrt werden könnte. Nein, in und mit dem Brot und Weine, indem du des Brotes und Weines Kraft durch deine Leiblichkeit durch⸗ dringend spürest, wird dir die höhere Gabe verliehen, der Leib Jesu Christi, das Blut Jesu Christi. Und wie sollen wir das verstehen? Es ist dein Jesus selbst, der für dich am Kreuze sich dahin gegeben, der ganze Heiland, der als Prophet, Hoherpriester und König allen Rat Gottes zu deiner Seligkeit ausgeführt, der Sündlose, der für deine Sünde gestorben und für deine Gerechtigkeit auferwecket ist, der Verklärte, der bei dir sein will alle Tage bis an der Welt Ende, der Herr, der mit seinem geistlichen Leibe die Fülle ist, die alles füllet, der das Leben sein kann in deinem Leben, das neue Ich in deinem Selbst,— der schenkt sich dir im Abendmahl. Kannst du's fassen, so faß es, daß bei des Brotes Genuß Christi Leib sich deinem Leibe mitteilt, Christi Blut dein Blut durchrinnt. Kannst du's nicht fassen, so laß deine Gedanken stille stehn und bete an.„O der großen Heimlichkeiten, die nur Gottes Geist kann deuten!“ Gelobet sei die Wundergnade unsers Herrn, die uns mehr giebt als wir fassen können!
4. Sich selbst giebt Jesus im Abendmahl den Seinen


