12 I. Das Weizenkorn und der Weinstock.
menschlichen Natur, in welcher er seinen ganzen Erden⸗ wandel geführt, weist er uns im Abendmahl bestimmt auf seinen Opfertod hin, auf den Leib, welcher am Kreuze er⸗ starrte, das Blut, welches am Kreuze vergossen ward. Während dort die Worte nur von einem geistlichen Ge⸗ nießen zu verstehen sind, geschieht hier das geistliche Ge⸗ nießen, nicht ohne das leibliche. Während dort das Wort allen Christum darbietet, ob einer sich etwa durch dasselbe zum Glauben und dadurch zum Genusse will bringen lassen, tritt im Abendmahl wie in der Taufe Christus aufs unzweifelhafteste, weil aufs spürbarste, an diesen be⸗ stimmten Menschen heran, der isset und trinket. Du kannst nicht leugnen, o Mensch, wenn du des Brotes Geschmack auf der Zunge, des Weines Kraft im Blute spürst, daß jetzt Christus eben an dich, gerade und ganz besonders an dich, herangetreten und in dich hereingetreten ist— o daß das Mahl ein gnadenreiches Mahl des Lebens für dich wäre!
6. Christus ist das Weizenkorn, das uns das Brot, der Weinstock, der uns den Wein des Lebens bietet. Als ihm Israel bei seinem Einzug in Jerusalem das Hosianna zurief, da waren auch etliche Griechen unter dem Volke, die wollten Jesum gerne sehen. Als Jesus das hörte, antwortete er: die Zeit ist gekommen, daß des Menschen Sohn verkläret werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: es sei denn, daß das Weizenkorn in die Erde


