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5 Frisch auf, ihr Hochbetrübten, der König kommt mit Macht; an uns, sein' Herzgeliebten, hat er schon längst gedacht. Nun wird kein Angst noch Pein noch Zorn hinfort uns schaden, dieweil uns Gott aus Gnaden läßt seine Kinder sein.
6 So lauft mit schnellen Schritten, den König zu besehn, dieweil er kommt geritten stark, herrlich, sanft und schön. Nun tretet all heran, den Heiland zu begrüßen, der alles Kreuz versüßen und uns erlösen kann.
7 Der König will bedenken die, so er herzlich liebt,
mit köstlichen Geschenken, als der sich selbst uns gibt durch seine Gnad und Wort. Ja, König, hoch erhoben, wir alle wollen loben dich freudig hier und dort.
8 Nun, Herr, du gibst uns reichlich, wirst selbst doch arm und schwach. Du liebest unvergleichlich,
du gehst den Sündern nach. Drum wolln wir all in ein
die Stimmen hoch erschwingen, dir Hosianna singen
und ewig dankbar sein.
Advent
Johann Rist, 1607— 1667
Eigene Weise oder Weise: Nun Hosianna, Davids Sohn; oder Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn
Brich an, du schönes Morgenlicht! Das ist der alte Morgen nicht, der täglich wiederkehret; es ist ein Leuchten aus der Fern, es ist ein Schimmer, ist ein Stern, von dem ich längst gehöret.
2 Nun wird ein König, aller Welt von Ewigkeit zum Heil bestellt, ein zartes Kind geboren; der Teufel hat sein altes Recht am ganzen menschlichen Geschlecht verspielt schon und verloren.
3 Der Himmel ist jetztnimmer weit, es naht die selge Gotteszeit der Freiheit und der Liebe: wohlauf, du frohe Christenheit, daß jeder sich nach langem Streit, in Friedenswerken übe!
4 Ein ewig festes Liebesband hält jedes Haus und jedes Land und alle Welt umfangen; wir alle sind ein heilger Stamm, der Löwe spielet mit dem Lamm, das Kind am Nest der Schlangen.
5 Wer ist noch, welcher sorgt und sinnt?
Hier in der Krippe liegt ein Kind mit lächelnder Gebärde: wir grüßen dich, du Sternenheld, willkommen, Heiland aller Welt, willkommen auf der Erde! Maximilian v. Schenkendorf, 1783—1817


