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Credo : katholisches Gebet- und Gesangbuch für höhere Schulen / hrsg. im Auftr. des Vereines der Katholischen Religionslehrer an den Mittelpunktschulen Österreichs. [Hrsg. von Meinrad Langhammer]
Entstehung
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A. Lehre uns beten!

Das Gebetsleben Beten ist Pflicht.

Gebet ist Zwiesprache der Seele mit Gott, ihrem Schöpfer und ewigem Ziel. 2.

Aus unserem Grundverhältnis zu Gott, dem Vater und Herrn, ergibt sich notwendig die Pflicht, nicht bloß unser Tun und Lassen nach seinem heiligsten Willen zu gestalten, sondern ihm auch die Persönlichkeit selbst im Gebetsleben zu weihen. Das Ora(bete) ist eben⸗ sogut ein sittlicher Imperativ wie das labora(wirke).

Das Gebet ist Bedürfnis unserer für Gott erschaffenen Seele.

Gebet ist Atemholen der Seele. Im Gebet atmet die Seele Himmelsluft. Ohne Gebet erstickt sie in der Sumpfluft des Gemeinen.

Die Notwendigkheit zu beten ergibt sich ferner aus unserer eigenen Schwäche und Hilfs⸗ bedürftigkeit.

Das haben schon die Alten erkannt. Der Wahn⸗ sinn und das gottverlassene Geschick des Tela⸗ monischen Ajax wird in der nach ihm benannten Tragödie des Sophokles davon abgeleitet, daß er ohne Beistand der Götter siegen wollte. Wahnsinn wäre es, wolltest du ohne göttlichen Beistand siegen über die finsteren Mächte in deiner Brust.Da ich wußte, daß ich nicht anders enthaltsam sein könnte, es würde mir denn von Gott gegeben, so trat ich vor den Herrn und bat ihn aus meinem ganzen Herzen(Weish. 8, 21).

Das Gebet ist eine Forderung deines Be⸗ rufes.

Nach Wissenschaft und Weisheit strebst du. Du wirst darin um so mehr fortschreiten, je mehr du

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