Druckschrift 
Tägliches Hand-Buch in guten und bösen Tagen : Aufmunterung, Gebete und Gesänge für gesunde, Betrübte, Kranke und Sterbende ; Sprüche, Seufzer und Gebete, den Sterbenden vorzusprechen ; nebst Andachten für Festzeiten und besonderen Gelegenheiten / von Joh. Friedr. Stark
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Vorreoͤe an den geneigten Leser.

Hiermit lege ich dem Leser mein Tägliches Handbuch aber mals dar. Zwar scheinen die gegenwärtigen Zeiten den Gebet büchern gar nicht geneigt zu sein, indem sich ein Teil der Leute bei seinem Aufstehen eher an seine Geschäfte, als an das Gebet erinnert, bei dem Schlafengehen aber die schlummernden Augenlider nicht mehr zum Gebetbuch gebrauchen kann. Wenn nun solche Seelen geschickt wären, ohne Hilfe eines Buches aus ihrem Herzen ein Gebet zu tun und ihr Verlangen Gott vorzutragen, so könnten sie dieses Mittel zur Erweckung ihrer Andacht entbehren. Weil sie aber dazu auch nicht tüchtig sind, so merkt man mit Erstaunen, daß solche arme Seelen nicht allein schläfrig im Christentum, irdisch gesinnt und unge schickt zu allem Guten werden, sondern, weil sie sich nicht durchs Gebet Gott heiligen und übergeben, kann sie ein jeder Wind bewegen, ein jeder Sünder und Sünderin zu Eitelkeiten und sündlichen Gewohnheiten verführen. Wie nun solchen, in die Welt verliebten Leuten eine Aufmunterung zum Gebet nötig wäre, so findet sich eine andere Art Menschen, welche es für eine Schande halten, ein Gebetbuch im Hause zu haben, und sich eines solchen Zuflusses heiliger Gedanken rühmen, daß sie sich völlig damit vergnügen können. Ich gebe dieses solchen Seelen zwar in gewissen Zeiten zu, möchte sie aber wohl fragen, ob ihnen nicht auch ein Seelenzustand bekannt sei, welcher die geistliche Dürre heißt, wo dem betrübten Ge müte nicht ein guter Gedanke, kein Spruch oder Trost zufließen will.

Kinder Gottes gehen hierin, nach meiner Erfahrung, den Mittelweg: sie lesen ein Morgen- oder Abendgebet, dadurch be kommen sie allerlei schöne Betrachtungen und Gedanken, die ihnen vielleicht sonst nicht beigefallen wären. Hiermit aber ist ihre Andacht nicht beendigt, sondern sie tragen Gott ins⸗ besondere ihr besorgliches Leiden, Bekümmernis, obschwebende Gefahr, betrübte Umstände und die Ihrigen vor; setzen sie dazu noch eine andere Betrachtung, so wird den ganzen Tag,