2 Erster Teil. Gebete und Belehrungen.
samkeit auf Gott allein richten, sondern, wie der hl. Augustinus lehrt, immer das Verlangen haben, den Willen Gottes zu erfüllen, oder, wie der hl. Franz von Sales sagt,„sich in Ruhe und Frieden in der Gegen⸗ wart Gottes verhalten ohne einen anderen Wunsch als den, unter seinen Augen zu sein und ihm zu gefallen.“
Wir sollen andächtig, demütig und ver⸗ trauensvoll, aber auch gottergeben und beharrlich beten. Die hl. Moniha hat achtzehn Jahre lang um die Bekehrung ihres Sohnes Augu— stinus gebetet. Dieses Gebet hat die Stufen gebaut, auf denen Augustinus aus der Sünde zur größten Heiligkeit emporstieg.
Das Gebet muß tief aus dem Herzen emporsteigen, es darf sich nicht mit der Sprache der Lippen be— gnügen. Auf das Rufen unseres Herzens wartet Gott, wenn er uns erhören will, obwohl er alle un⸗ sere Bedürfnisse von Ewigkeit her hennt.
Der Heiland empfiehlt uns das Gebet im Kämmer⸗ lein, wo wir„die Türe schließen und zum Bater im verborgenen beten.“ Er ruft aber auch alle zu auchen mühselig und beladen sind, damit er sie er— quicke.
Zu Recht empfehlen uns deswegen die Heiligen mit der Kirche, daß wir den Tabernakel gerne auf⸗ suchen sollen, um dort mit unserem Herrn und Heiland Zwiesprache zu halten. Besonders wirksam und okt notwendig ist das gemeinsame Gebet, von dem der Heiland sagt:„Wenn zwei von euch auf Erden um irgend etwas einmütig bitten, so wird es ihnen von meinem himmlischen Vater zuteil werden.“ Gemein⸗ sam sollen wir beten in großer Not, wie der Meister es wollte am Olberg; gemeinsam sollen wir auch beten in allgemeinen Anliegen der Kirche oder des Vater⸗ landes, wie die Apostel uns lehren und der Heiland selbst uns im„Vater unser“ mahnt.


