„Das geistliche Lieder singen gut und Gott angenehm sei, „acht ich, sei keinem Christen verborgen, dieweil jedermann nicht „allein das Exempel der Propheten und Könige im Alten Testament „(die mit Singen und Klingen, mit Dichten und allerlei Saiten⸗ „spiel Gott gelobt haben), sondern auch solcher Brauch, sonderlich „mit Psalmen, gemeiner Christenheit von Anfang kund ist. Ja „auch St. Paulus solches 1. Kor. 14. einsetzt und zu den Kolossern „gebeut, von Herzen dem Herrn singen geistliche Lieder und „Psalmen, auf daß dadurch Gottes Wort und christliche Lehre auf „allerlei Weise getrieben und geübt werde. Demnach hab ich auch, „samt etlichen anderen, zum guten Anfang und Ursach zu geben „denen, die es besser vermögen, etliche geistliche Lieder zusammen⸗ „gebracht, das heilige Evangelium, so jetzt durch Gottes Gnaden „wieder aufgegangen ist, zu treiben und in Schwang zu bringen, „daß wir uns auch möchten rühmen, wie Moses in seinem Gesang „tut, 2. B. Mos. 15., daß Christus unser Lob und Gesang sei „und wir nichts wissen sollen zu singen noch zu sagen, denn Jesum „Christum, unsern Heiland, wie Paulus sagt 1. Kor. 2.“
So hebt Dr. Martin Luther an in der Vorrede zu dem ersten, im Jahre 1524 von ihm herausgegebenen„Geistlichen Gesangbüchlein“, welches nur wenige Lieder, darunter fünf von ihm selbst verfaßte, enthielt. Der gute Anfang hat einen guten Fortgang gehabt, wie die schon im Zeitalter der Reformation und seitdem erfolgte Vermehrung des evangelischen Liederschatzes, dieses köstlichen Kleinods unserer Kirche, durch zahlreiche und treffliche Gesänge gottbegnadigter Dichter, bis herab auf unsere Tage, und
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