Am 22. und 28. Sonntage nach Trinitatis.
Evang. am 22. Sonnt. n. Trinit., Matth. 18, v. 23⸗35. Dane ist das Himmelreich gleich
einem Koͤnige, der mit seinen Knechten rechnen wollte. Und als er anfieng zu rechnen, kam ihm einer vor, der war ihm zehn tausend Pfund schul⸗ dig. Da er es nun nicht hatte zu bezah⸗ len, hieß der Herr verkaufen ihn und sein Weib und seine Kinder, und alles, was er hatte, und bezahlen. Da siel der Knecht nieder, und betete ihn an, und sprach: Herr, habe Geduld mit mir, ich will dir alles bezahlen. Da jam̃erte den Herrn desselbigen Knechts, und ließ ihn los. und die Schuld erließ er ihm auch. Da gieng derselbe Knecht hinaus, und fand einen seiner Mitknechte, der war ihm hundert Groschen schuldig, und er griff ihn an, und wuͤrgete ihn, und sprach: Bezahle mir, was du mir schul⸗ dig bist. Da fiel sein Mitknecht nieder, und bat ihn und sprach: Habe Geduld mit mir, ich will dir alles bezahlen. Er wollte aber nicht, sondern gieng hin, und warf ihn ins Gefaͤngniß, bis daß er bezahlte, was er schuldig war. Da aber seine Mitknechte solches sahen, wurden sie sehr betruͤbt, und kamen, und brach⸗ ten vor ihren Herrn alles, was sich bege⸗ ben hatte. Da forderte ihn sein Herr vor sich und sprach zu ihm: Du Schalks⸗ Tnecht, alle diese Schuld habe ich dir er⸗ lassen, dieweil du mich batest; solltest du denn dich nicht auch erbarmen uͤber dei⸗ nen Mitknecht, wie ich mich uͤber dich erbarmet habe? Und sein Herr ward zornig, und uͤberantworte ihn den Peinigern, bis daß er bezahlte alles, was er ihm schuldig war. Also wird euch mein himmlischer Vater auch thun, so ihr nicht vergebet von eurem Herzen, ein jeglicher seinem Bruder seine Fehle.
Epistel, Phil. 1, v. 3⸗11.
J́â danke meinem Gott, so oft ich euer
gedenke(welches ich allezeit thue in allem meinem Gebet fur euch Alle, und thue das Gebet mit Freuden)/ üͤber eu⸗ rer Gemeinschaft am Evangelio, vom ersten Tage an bisher. Und hin dessel⸗ ben in guter Zuversicht, daß, der in euch angefangen hat das gute Werk, der
87
wird es auch vollfuͤhren, bis an den Tag Jesu Christi. Wie es denn mir billig ist, daß ich dermaßen von euch Allen halte; darum, daß ich euch in meinen Herzen habe, in diesem meinem Gefaͤngniß, darinnen ich das Evangelium verant⸗ worte und bekraͤftige, als die ihr Alle mit mir der Gnade theilhaftig seid. Denn Gott ist mein Zeuge, wie mich nach euch Allen verlanget von Herzens⸗ grund in Jesu Christo. Und daselbst um bete ich, daß eure Liebe je mehr und mehr reich werde in allerlei Erkenntniß und Erfahrung; daß ihr pruͤfen moͤget, was das Beste sei, auf daß ihr seid lauter und unanstößig, bis auf den Tag Christi, erfuͤllet mit Fruͤchten der Gerechtigkeit, die durch Jesum Christum geschehen in euch, zur Ehre und Lobe Gottes.
Evang. am 23. Sonnt. n. Trinit., Matth. 22, v. 15⸗22. De giengen die Pharisaͤer hin, und hielten einen Rath, wie sie ihn sien⸗ gen in seiner Rede. Und sandten zu ihm ihre Juͤnger, samt Herodis Dienern, und sprachen: Meister, wir wissen, daß du wahrhaftig bist, und lehrest den Weg Gottes recht, und du fragest nach Nie⸗ mand, denn du achtest nicht das Ansehen der Menschen. Darum sage uns, was duͤnket dich? Ist es recht, daß man dem Kaiser Zins gebe oder nicht? Da nun Jesus merkte ihre Schalkheit, sprach er: Ihr Heuchler, was versuchet ihr mich? Weiset mir die Zinsmunze. Und sie reichten ihm einen Groschen dar. Und er sprach zu ihnen: Wes ist das Bild und die Ueberschrift? Sie sprachen zu ihm: Des Kaisers. Da sprach er zu ihnen: So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Da sie das hoͤreten, verwunderten sie sich und ließen ihn, und giengen davon. Epistel, Phil. 3, v. 17⸗21. lget mir, lieben Bruͤder, und sehet auf die, die also wandeln, wie ihr uns habt zum Vorbilde. Denn Viele wandeln, von welchen ich euch oft gesagt habe, nun aber sage ich auch mit Wei⸗ nen, die Feinde des Kreuzes Christi, welcher Ende ist das Verdammniß, wel⸗


