Druckschrift 
Ave Maria : Gebet- und Gesangbuch für das Bistum Würzburg / auf oberhirtliche Anordnung ; Buchschmuck von Theodor Maß
Entstehung
Seite
5
Einzelbild herunterladen

Hauptgebéete des Christen 5

dem Heiligen Geist und in der völligen Hingabe an den Willen des Vaters. Wer christlich betet, betet aus der Gesinnung des Herrn, der gesagt hat: Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat (Joh 4, 34), und: Vater, nicht mein Wille geschehe, son- dern der deine.(Lk 22, 42.)

Aus dieser lebendigen Verbindung mit Christus durch den Heiligen Geist lebt das Beten des Christen, ob es als persönliches Gebet in der stillen Kammer oder als Gebet der Gemeinschaft im öffentlichen Gottesdienst geschieht. Immer muß etwas von der katholischen, d. h. weltumspannenden Weite des Betens Christi offenbar werden, auch wenn wir in unserem persönlichen Gebet die Sorgen und Anliegen, den Dank und die Freude unserer eigenen Seele zu Gott emporsenden. Die gro- gen Anliegen des Gottesreiches müssen auch hier den ersten Rang behalten nach dem Worte Christi: Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, und alles übrige wird euch hinzugegeben werden.(Mt 6, 33.) Im Vaterunser hat uns der Herr das tiefste und schönste, das weiteste und doch zugleich das persönlich- ste Gebet geschenkt, aus dessen Geist auch unser per⸗ sönliches Beten immer wieder gespeist werden muß, wenn es nicht zu einem kleinlichen, ichsüchtigen Beten verkümmern soll, das von Gott nur Vorteil für Leib und Leben zu erreichen sucht.

So ist es immer wieder das öffentliche Beten der Kirche, aus welchem dem Getauften bei seinem Beten das Bewußtsein einer höheren Zusammengeéhörigkeit und Gemeinschaft lebendig wird. Hier gilt ganz be⸗ sonders das Wort Christi: Wo zwei oder drei in mei- nem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.(Mt 18, 20.) Deswegen wollen wir uns gerne und kreudig mittragen lassen von jenem Gebetsgeist heili- gen Lobes und feierlicher Danksagung, wie er sich seit den Urzeiten unserer Kirche in der heiligen Liturgie ausspricht. Hier wird die heiligeEucharistia, d. h. die großbe Danksagung, im heiligen Opfer immer wie- der erneuert; hier klingen die PSalmen des Alten und die Hymnen des Neuen Bundes; hier steigen auf die Gebete um die großen Anliegen der Weltkirche; hier sind wir eingeschalteét in jene geheimnisvolle Gemein-