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Gesang- und Gebetbuch für die Erzdiözese Cöln
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618 Kurze Betrachtungen auf alle Tage d. Monates.

Anwendung. Prüfe dich, ob dein Vertrauen der Güte Gottes und den Verdiensten Jesu Christi entspricht.

Du bist mein Gott, mein Schicksal ist in deiner Hand. Ps. 30.

25. Von der Liebe zu Gott.

1. Gott hat uns so sehr geliebt, daß er seinen einzigen Sohn für uns dahingab. Wenn er etwas Besseres hätte geben können, so würde er es getan haben. Ist unsere Gegenliebe um diesen Preis nicht teuer genug erkauft? Wenn schon die Güte eines Menschen Anspruch auf meine Gegenliebe hat, so muß ich die unendliche Güte um so mehr lieben; oder verliert sie ihr Recht auf meine Liebe dadurch, daß sie unend⸗ lich ist?

2. Gott befiehlt mir, ihn zu lieben. Ist es ein zu strenges Gebot, daß man eine unendliche Schönheit liebe? Er befiehlt mir, ihn aus ganzem Herzen zu lieben. Ist dies zu viel bei einem so kleinen Herzen und einem so großen Gott? Wer alles verlangt, nimmt nichts davon aus. Was ich ihm daher auch geben mag: gebe ich ihm nicht alles, so gebe ich ihm nicht genug.

3. Die Gnade, Gott lieben zu dürfen, ist so groß, daß sie durch die schrecklichsten Strafen nicht zu teuer erkauft würde. Wie glücklich wäre ein Verdammter, wenn er nach so vielen Jahr⸗ tausenden maßloser Leiden einen einzigen Akt der Liebe erwecken könnte! Ich kann Gott lieben, wenn ich will; es nicht tun, wenn man kann, ist ein größeres Uebel als selbst die Hölle.