Druckschrift 
Gesang- und Gebetbuch für die Erzdiözese Cöln
Einzelbild herunterladen

608 Kurze Betrachtungen auf alle Tage d. Monates.

3. Die größten Heiligen zitterten bei dem Gedanken an den Zustand ihrer Seele vor Gott. Man hörte Einsiedler und Büßer in der Todes⸗ stunde seufzen, in der Erwartung des furcht⸗ baren Urteilsspruches der göttlichen Gerechtigkeit, da sie nicht wußten, was sie galten vor Gott. Ein Augenblick genügt ja, um aus einem Hei⸗ ligen einen Verdammten zu machen.

Sprich mit dem hl. Philipp Neri: Herr, be⸗ hüte mich heute vor mir selbst; denn ich ver⸗ rate dich, wenn ich mir selbst Überlassen bin.

Anwendung. Nimm Bedacht auf die Ge⸗ legenheiten, die dir heute am gefährlichsten werden könnten.

Wer steht, sehe zu, daß er nicht falle.

1. Kor. 20.

16. Von der Benutzung der Gnade.

1. Jede, auch die geringste Gnade, hat uns Jesus Christus um den Preis seines Blutes er⸗ kauft; er hat sie uns von seinem Vater erbeten, da er am Kreuze seine Seele aushauchte. Einen guten Gedanken vernachlässigen, eine heilige Ein⸗ gebung nicht beachten, heißt die Frucht seines Todes nutzlos machen.

2. Wir sind Gott zur Rechenschaft verpflichtet nicht nur für die Gnaden, welche wir empfangen haben, sondern auch für diejenigen, die er uns geben wollte, falls wir denselben kein Hindernis entgegengesetzt hätten. Wenn die Sonne scheint und wir unsere Fenster schließen, sind wir ihr nicht weniger für ihr Licht Dank schuldig: es liegt nur an uns, ihres Lichtes uns zu bedienen.