erschießen, und Unteroffkier Leopold führte den Befehl aus... dann waren es
nachher drei, und ich führte den Befehl aus... Hauptmann Steinmet? befahl die
Sache mit den Mützen, und wir nahmen den Gefangenen die Mützen weg...
3 Die heisere Stimme rasselte weiter:„... fürchterliches Wetter, Kãlte, Wind. Schnee...
1 in der Fabrik in der Fischerstraße standen sie wie die Heringe.
überall lagerte Rauhfrost, hob sich himmelan, eine wüste Dunstwelt. Neben der
4 Brücke hing der Abendstern, glich der Ankerlampe eines stillstehenden Schiffes,
ein bleicher Fleck im Nebel. Von der Brücke her hallten Stimmen(die feuchte Luft
3 leitete den Schall wie ein Telephondraht). Russische Worte:„Taschtschitje Saboi! Schleppt ihn doch mit!“ Deutsche Worte:„Der ist fertig, der kann nicht mehr,
wir können auch nicht mehr!“
Tappen, Schlürfen, müdes Schleifen von Füßen. Finer schlug lang hin und blieb
3 liegen. Sein Wimmern erstarb. Wieder Worte:„Lieber Pastor... Sie haben doch
3 noch, da im Rucksack!“..„Nichts als letzte Grüße! Aber hier in der Mantel-
tasche, da das letzte Päckchen Knäckebrot...“ und schon verhallend, vom Ende
der Brücke her:„So. Damit heißt es nun auskommen. Bis Gumrak!“
Halblaut gesprochene Worte, Tappen von Füßen, zwanzig Meter, dreißig Meter
entfernt. Der Mebel leitet, aber das war nicht alles. Es war still, es war unfaßbar
Still. Siebenundsiebenzig Tage, hundert Tage, vom Mius her zweihundert Tage, und
jetzt war es still, nicht zu fassen und kaum zu ertragen.
Himmel und Erde still!
Im Nebel Husten.
Bin heiserer Satz, nicht auf der Brücke, nicht unter dem bleichen Fleck im Nebel,
umten von dem Kranken ausgesprochen:„Die Mützen warfen wir weg, raus in den
Schnee!“
Da war die Antwort, der Delirierende sagte:„Dann liefen sie und wollten sie wieder-
holen, und dann wurde geschossen!“
„Wer lief?“
„Die Russen!“ antwortete Gnotke.
„Der war einmal Bewachungsmannschaft, und davon redet er, von einem Gefangenen-
war eine jener eintretenden Pausen, in welchen die tiefe Benommenheit von ihm
8 abfiel. Der Gesichtsausdruck veränderte sich, der Blick wurde vernünftig. Er er-
kannte seinen ehemaligen Kommandeur.
„Sag es dem Oberst, wozu du nicht getaugt hast und weshalb du hauptsächlich ins
Strafbataillon kamst!“ sagte Gnotke.
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