vor— in besonderen Fällen kann es der Pivisionskommandeur an Angehörige seines Stabes verleihen— und heftete es seinem Adjutanten an den Waffenrock.„Dafür (und er war doch auch sonst ein bewährter und tapferer Offizier), dafür, Bauske!“ Wieder einige Minuten spãter, die Männer in den Schneelöchern schossen immer noch, und sie zogen auch das Feuer der Russen auf sich, Sah General Geest seinen Adjutanten Bauske mit einem Kopfschuß im Schnee liegen.
Nochmals einige Minuten spãter sah Geest seinen Nachbar, den General Vennekohl, von einem Trupp russischer Soldaten eskortiert, vorbeigehen. Jetzt rief Geest die Rotarmisten an und streckte mit dem Rest Seines Stabes und mit den sechzig Män- nern, die ihm noch von seiner Division geblieben waren, die Waffen.
Da war Vennekohl, da war Geest, da war Gönnern , da waren zwei Kommandierende Generale, die sich hier am Stadtrand gefangengaben. Sie wurden durch die Ruinen- stadt zum Wolgaufer in die Bunker und Gefechtsstände des russischen Armeestabs gebracht, und so geschah es, daß die gefangengenommenen Generale Haufen deut- Scher Soldaten, die nun ebenfalls die Waffen niederlegten, nach sich zogen. Ruinen, aus denen noch eben Gewehrfeuer flackerte, fielen in Schweigen, und in der nächsten Minute zeigten sich in den Hõhlenausgängen und zwischen den Schutthaufen die erdigen Gestalten und hoben die Hãnde hoch. Fin Stück vom Gõnnernschen Gefechts- stand entfernt befand sich eine Balka, aus der heraus ein Weg auf einen von Ruinen- fassaden umgebenen Platz führte. Auf dem Platz stand ein russischer höherer Kom- mandeur, da standen auch in losen Haufen deutsche Soldaten, die sich gefangen- gegeben hatten, und da lugten aus hundert Löchern der Ruinenfassaden Gesichter von Soldaten, die sich noch nicht gefangengegeben hatten. Den Weg von der Balka her kam ein deutscher General herauf, ein Graukopf in Mantel und Schirmmütze, am Halsausschnitt in Silber ein baumelndes Ritterkreuz. Der General schritt auf den russischen Kommandeur zu, streckte die Hand aus. Der Russe schüttelte ihm die Hand und Kopfte ihm die Schulter. Das Volk stand herum und staunte. Die Gesichter in den hundert Löchern staunten. Und in den Ruinen wurden Rufe laut: „Na, wenn das hier so zugeht.. Und es dauerte nicht lange, da brachen rings- herum die Löcher auf, und es quoll heraus, mit dem Rucksack in der Hand, mit dem Rucksack an der Schulter, die Decke über dem Arm, die Trümmer von Bataillonen, abmarschbereit und der Weisung und des Befehls der anderen, der russischen Seite wartend.
Der graue⸗Morgen war da!
Der Tag war da mit eisigen Wolganebeln, die durch hohe Steingerippe und durch kilometerlange fensterlose Straßen brausten. Bis hierher war es ein Uberschwang und ein Herkulesspiel, ein Zug auf Rãdern mit Feuerwerk und Tierhetze und Men- Schenopfer, ein durch Länder gezogener blutiger Korso, ein ins Unbekannte aus- gesetztes Narrenschiff unter einem närrischen Oberhaupt, und erst vor dem Finish, und erst auf der letzten Strecke des Wegs hatte sich herausgestellt, daß man selbst der fette Ochse zu sein hat, mit vergoldeten Hõrnern und mit bunten Bändern her-
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