seite surrte es wie von Scharen irrsinnig gewordener glühender Insekten. In Kiel - linie rollte eine Reihe Panzer auf. Die Luken öffneten sich, und plõtzlich zerfiel das Feuer, und Stille schwang zu dem milchig werdenden Himmel auf. Und in schwarzen Fensterhöhlen, aus denen noch eben geschossen worden war, zeigten sich zuerst an einer, dann an zweiter, dann an dritter Stelle weiße Lappen. Nachdem der erste Mann und der erste Trupp sich auf den Platz gewagt hatten, ging es weiter. Auch aus anderen Richtungen leckte wie in grauen Zungen Soldatenvolk auf den Platz hinauf, die Hände erhoben, Pelzmützen oder spitze Kappen über Köpfen und Ohren, die Gesichter gesenkt. Es dauerte nicht lange, und auf dem Bahnhofsplatz standen zu einem Haufen geballt an siebenhundert deutsche Kriegsgefangene. Major Buchner erwachte aus einer dröhnenden Macht. Vor seinen Augen bildeten sich die Züge seines Adjutanten, des Leutnants Loose. Aber dann war es nicht Loose, dann war es Unteroffizier Januscheck. Und Januscheck sagte:„Herr Major, wir müssen hier raus. Die Bude fällt uns über dem Kopf zusammen!“ Auch die übrigen, der ganze Haufen, waren da. Major Buchner taumelte auf, hinaus auf den Hof. Die Mühle brannte. Das Lager stand in Flammen. Wie ein Sternregen ging Weizen in die Luft. Vielleicht einige hundert, vielleicht auch nur hundert Zentner. Wie war das doch— ein Kilo Mehl hat er erhalten, für seine siebenundzwanzig Mann, dafür hat er seine letzten Zigaretten hergeben müssen, und nun geht das Mehl dort in einem Riesenfeuerwerk in die Luft, und schwarze Flocken fliegen einem um die Ohren. Der Hof war dunkel von Menschen. Aber niemand wollte den Schritt hinaus auf die Straße machen. Vorn am Tor staute sich alles. Von hinten wurde gerufen. „Was ist los, ihr könnt doch sehen da vorn! Legen die Russen die Gefangenen um?“— „Nein, nichts passiert, die stellen sie bloß alle zusammen!“—„Und die Offiziere bringen sie auch nicht um?“— Offiziere sind auch dabei, denen passiert auch nichts!“ Und auch aus der Dampfmũühle Eie begann ohnehin auseinanderzubersten) wälzte sich nun eine Soldatenmenge auf die Straße hinaus, und wieder waren es vierhundert oder fünf hundert deutsche Kriegsgefangene, die sich neben einem Ruinenhaufen aufstellten. Durch die Keller und durch die Erdgeschosse der großen Gefängnisruine hallten Rufe;„Alles raustreten, die Russen sind da!“ Und die Russen waren da, standen mitten auf dem Hof. Die Türen gingen auf, und es schwemmte heraus, aus dem Erdgeschoß, aus den Kellern, Offiziere, Soldaten. Ein Oberstleutnant tobte: „Ich schieße jeden nieder, der hinübergeht!“ Ein Oberst brüllte: „Es wird weiter verteidigt!“ Aber die Masse bewegte sich, es waren tausend, waren zweitausend Mann. Der Oberstleutnant, der Oberst waren Punkte in dieser sich langsam dahinbewegenden langen Walze. Plõtzlich begann eine 2-cm-Flak zu hämmern. Das Geschütz stand hinter einem Erdwall, Leute, die in der Nähe standen, riefen:„Der Chef des Panzerkorps E
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