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Stalingrad : Roman / Theodor Plievier
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nee

stellt werden. Aber Sie, die Sie doch bis in diese Tage hinein Ihre normalen Wege gingen, die Sie heute noch Ihre Uniformen, Wäsche usw. da im Rohrplattenkoffer bei sich haben, und die Sie lyrisch werden, wenn Sie einmal vom Pferdefleisch kosten, an dem eine ganze Armee sich den Tod angegessen hat, die Sie bis in diese Stunde hinein sich ausruhen, sich waschen, sich die Zãhne putzen konnten(Gott , Sie sollten uns moralischer Halt sein und sind uns der schrecklichste Abgrund), Sie halten es für möglich, einer ganzen Welt und vergessen wir nicht, trotz unseres Nicht- wissens und Nichtsehens stehen wir auf der Stalingrader Bühne vor den Augen der ganzen Welt ein solches Bild angreifender deutscher Soldaten vorzuführen, von einem General aufgescheuchte, humpelnde und taumelnde Gestalten! Sie halten das wirklich für möglich und für erlaubt, meine Herren? Schande! Schmach! Sturz, wie er Deutschland von niemand und niemals bereitet wurde! Es ist das Chaos, ich habe es kommen sehen, habe mich dagegen gewehrt, und alle meine Worte waren Worte in den Wind! sagte der General aus Gumrak. Vilshofen , mischte der andere Kommandierende General sich ein:Ich möchte da doch die Frage stellen: wer ist nun eigentlich wir' und wer sind die andern, die angesprochen werden? Herr General, Sie haben einen langen Weg als Frontoffizier hinter sich. Wenn Sie Ihr Gestern mit Ihrem Heute vergleichen, haben Sie in der Diskrepanz, die Sie da bemerken, Schon die Antwort. Es ist die Diskrepanz zwischen Front und Führung. Jawohl, da klafft ein Riß, meine Herren. Sie wissen ja nicht, was vorgeht, und Sie wußten es nicht. Als wir jenseits des Don noch bei Logowski und Orechowski standen, da räãumten Sie, Herr Oberstleutnant, Werchnaja Golubaja, und als wir die Golubajahöhen ver- teidigten und Schritt um Schritt zurückfielen bis zum Don, da räumten Sie, meine Herren, die Stabsquartiere in Wertjatschi und Peskowatka; natürlich, Sie mußten räumen, unzweifelhaft, aber nicht darum geht es. Ich sage nur: Sie wissen nicht, wie es aussah, als wir auf Ihren Spuren durch die Asche und den kalten Gestank von Werchnaja Golubaja, durc das Leichenlager russischer ausgehungerter Gefan- gener in Wertjatschi, durch den weggeworfenen Stabsplunder in Peskowatka kamen. Sie wissen nicht, wie wir dezimierte Haufen auf freiem Felde und unter schnee- zerdonnertem Himmel eine Stalingrader Westfront aufbauten, und dann wieder auf Ihren Spuren durch Dmitrewka, durch NMowo-Alexejewka, durch Plunder, Lei- chen, totes Vieh, weggeworfenes Material Zogen. Die Kasatschihügel, die Höhe 135, die fünf Skythengräber sind Ihnen Begriffe auf der Karte geblieben, und wieder sei es gesagt: es ist nicht anders denkbar, der Stab kann seinen Kartentisch nicht in der HKI. aufstellen. Aber Sie reden von einem Heldenzug, und Sie wissen nicht, wie Männer zu Dreck und wie sie zur Sau gemacht werden. Sie haben es getan, meine Herren, mit Ihren

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