es gebrannt. Schnee, Holz, Haare, Männer, von hier, von der Wolga bis zum DPon ein einziger Gestank, und wir wissen nachgerade— Herr General, im Protest ist Wissen; Herr Oberst, Sie haben es noch eben erläutert; Gönnern , Sie haben es noch eben da nachgeblättert; Vennekohl, Sie haben da auch einiges beizutragen!“ „Wie meinen?“
„Ich meine, daß Sie einen Weg hinter sich haben, daß Sie eine Spur hinter sich gelassen haben!“
„Kann mir det nu eener verdolmetschen?“
„Wir wissen, daß da nicht nur Gestank verkohlender Knochen und schmorenden Menschenfleisches ist. Die„Flammenstadt in ewiger Glut', wir brauchen sie nicht erst in den Seiten eines Buches zu entdecken, wir haben sie geschaffen. Und die Herren vom graden und krummen Horne, vom alten Teufelsschrot und Korne, vielleicht Gönnern und auch Vennekohl und auch Herr Oberstleutnant, und ich nehme mich da nicht aus, vielleicht nehmen wir da mal den Taschenspiegel zur Hand!“(„Ooch nich schlecht!“ meckerte Vennekohl.„Bei mir hört Schon det Krib- beln auf. Is ja auch gerade, als ob der die Kiste Kognak besessen und auf einen Sitz runterjejurjelt hãtte.*)
„Solange wir meinten, unsere Suppe an dem Feuer kochen zu können, haben wir hier nicht beieinander gehockt und über Gott und die Welt und Postulate, auf denen die Menschenwelt zu beruhen hat, philosophiert.
Wir wissen und haben gewußt. Und einmal dachten wir auch, wenn der Bettelmann auf den Gaul kommt, reitet er den Gaul zuschanden.“(„Damit jeh auch ich einich, Vilshofen !*)„Aber wir ließen ihn seine ungeschlachte Karriere reiten, über Stock und Stein, über Võlkerrecht und Menschenrecht und Ehre und Soldatenehre, und die Fetzen flogen, und Mord- und Brandbefehle, auch Durchhaltebefehle bis zum letten Mann und zur letzten Patrone, und Zwiespalt hin und Zwiespalt her, Befehle werden durchgeführt, der Herr reitet, und wir halten mit, daß uns wahrhaftig Hören und Sehen und menschliche Betrachtung vergeht, und so finden wir uns wieder, nicht mehr hoch zu Roß, sondern selbst die Rösser, die blinden zuschanden gerittenen, so finden wir uns am Ufer der Wolga . Und da befinden wir uns im Keller und ent- sinnen uns, daß wir am Anfang doch keine Rösser waren, und wir protestieren und lesen das Gesangbuch und ziehen den„Faust' zu Rate oder machen erbarmungs- würdige Gegenstõße, und das ändert nichts. Der eine protestiert, der andere beißt die Zãhne zusammen und verschluckt das Wort, der andere schleudert es heraus und damit aus, und ein Licht, das gestern noch gebrannt hat für den Verderber, und jetzt ist es aus. Sogar die Armee schweigt, seit drei Tagen gibt es keine Armee- befehle mehr. Die Korps schweigen, seit zwei Tagen gibt es keine Korpsbefehle mehr. Aber es geht weiter. Weiter Ferngespräche(wir haben eben eins mit an- gehört), weiter gespenstisches Gewese, Kampfaufträge, Gegenstöße, erklären Sie mir das!“
„Nu muß ich aber doch mal...“ Vennekohl richtete sich in ganzer Länge auf und
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