„Jawohl, Haltung!“ sagte General Vennekohl.„Aber man muß doch sehen, det is doch nu coch eene Form der Selbstentleibung!“
„Haben Sie was gegen Selbstentleibung, Vennekohl?“
„Wie meinen?“
„Nun, ja, das Prinzip!“
„Ich meine, unser OB hätte sich ziemlich scharf dagegen geäußert!“
Er ging den Weg— er gab das Beispiel!
Man war gehalten, Stellung zu nehmen. Fs war quãlend. Eine lastende Stille brei- tete sich aus. Die Peinlichkeit wurde indessen überbrückt, vorerst jedenfalls. Der IC trat ein mit einem Hauptmann. Fin kleiner verdreckter Fronthauptmann mit Augen, die den Dingen noch eine spaßige Seite abzugewinnen versuchen. Er war in Gefangenschaft geraten, und die Russen haben ihn wieder zurückgeschickt. Er erzählte seine Erlebnisse:„Die Russen sind gar nicht so stur! Bin da im Stab ge- wesen. Die flitzen da nur so herum. Die schlagen die Hacken zusammen, salutieren ruck-zuck!“ Und er machte vor, wie es zuckt:„Jawohl, so, Herr General! So was mal wieder zu sehen, der Herr General würde auch seine Freude daran haben.“ Auch zu essen hätte er bekommen, und reichlich. Brot und ganz dick Marmelade auf dem Brot.
Vennekohl begann wieder zu wippen.„So, janz dick Marmelade, is ja janz schön! Aber muß man so was eijentlich anhören?“
Gönnern nahm seinen I C auf die Seite, sagte ihm, er solle den Hauptmann vor- sichtig von den übrigen Offizieren isolieren und dann zum IC der Armee schaffen. Da schaltete sich Vilshofen ein:„Das wird doch heute nicht mehr so haargenau genommen, Gönnern . Da drüben im Gefängnis habe ich einen zurückgeschickten Rittmeister gesehen. Da hat auch niemand an den IC der Armee gedacht!“ „Entschuldigen Sie schon, Vilshofen !“—„Jawohl, bitte sehr, Herr General!“ Das ging Vilshofen nun wirklich nichts an, so eine Finmischung mußte man tat- sächlich zurückweisen. Der I C verabschiedete sich mit dem Hauptmann. Die Herren Sahen die beiden mit Bedauern scheiden. Eigentlich hatte Vilshofen recht, daß er den Hauptmann hatte zurückhalten wollen. Wie ist es denn nun eigentlich bei den Russen? Der Hauptmann hätte ihnen da eine ganze Menge Aufschlüsse geben können. Aber die Tür hatte sich hinter Hauptmann und I C geschlossen, und sie saßen wieder da, wieder unter sich. Und wieder Wandern, Denken, Lesen. Der General aus Gumrak entschied sich nunmehr endgültig für den Gefängniskeller. Vilshofen wollte auch weitergehen. Von solchen Gesprächen über Gott und die Welt und Selbstmord hatte er genug. Lieber packte er sich doch in ein Soldaten- loch, da wurde wirklich gestorben. Port rauschte, wenn schon nicht das Leben, so doch der Tod. Er nahm seinen Rucksack in die Hand, packte seine paar Dinge zusammen. Pann blieb er doch noch mal stehen. Die anderen hatten nochmals
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