ich den Sinn im Unsinn zu finden getrachtet, und schon erkennend habe ich noch an die Zweckmãäßigkeit des Unsinns geglaubt. Ein fünfzigjähriger verdammter Narr, muß ich erst heimatlos durch die Keller einer Ruinenstadt schweifen, um zu er- fahren, daß Unsinn niemals zweckmäßig sein kann und in das Verderben hinein- treiben muß!
So weilten sie beieinander, die im Keller.
Einer machte sich Selbstvorwürfe, einer wanderte auf und ab; einer dachte auf und ab; einer las in einem Gesangbuch und bewegte dabei die Lippen; einer durch- blätterte Goethes„Faust“, einer(der Divisionsveterinär) war auf dem Stuhl ein- geschlafen; einer(der Oberst aus dem Wehrwirtschaftsamt und früher beim Stab des Oberquartierme sters in Paris ) erzãhlte Korruptionsgeschichten über den deutschen Botschafter in Pris.„Ja, dieser Herr hat die Linie der neuen Zeit wahrlich nur darin geschen, sich zu bereichern und den deutschen Namen in Verruf zu bringen!“ General Vennekohl stellte endlich das Wippen mit seinem Fuß ein und sagte:„Ja, Paris , das waren noch Zeiten!“ Er fügte nach einer Pause hinzu:„Zu dämlich, daß wir den Gegenstoß nicht über die Fliegerschule hinaus bis an den„Tatarenwall“ getragen haben! Man muß das noch nachholen!“
„Ich meine, nach dem heutigen Gang werden Sie dafür nicht mehr viel in der Hand haben!“
„Viel in der Hand kaum!“
Vilshofen war vielleicht der einzige, der den sonderbaren Gedankensprung Venne- kohls, der ihn von Paris nach dem„Tatarenwall“ führte, verstanden hatte. Stimmt es also doch, daß Vennekohl deshalb da draußen in der Erdhöhle liegenbleibt, weil einige der letzten Flugzeuge im Schutze des„Tatarenwalls' niedergegangen waren, und weil er noch immer auf ein Wunder, auf ein landendes Flugzeug und auf einen Sitz im Flugzeug hoffte.
Der Fernsprecher klingelte.
Der in der Mähe in einer Balka liegende Korpskommandeur, inzwischen durch den I A über den Verlauf des„Gegenstoßes“ unterrichtet, meldete sich. Alle hörten das Gesprãch, oder jedenfalls das, was Gönnern erwiderte, mit an. Was der General an anderen Ende des Drahtes sagte, konnte man sich zusammenreimen. „Aber was weiter? Es geht doch nicht mehr, Herr General!“
„Sie haben doch noch Munition?“
„Jawohl, Herr General. Etwas Gewehr- und auch noch etwas Werfermunition „Und Sie haben doch zu essen?“
„Jawohl, wir haben heute eine Suppe aus Pferdefleisch gehabt, und wir haben morgen noch einmal eine Suppe aus Pferdefleisch!“
„Also, dann machen Sie weiter. Sie verteidigen Ihren Gefechtsstand! Geben Sie mir Ihr Wort darauf!“
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