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Gönnern als Wirt saß am Kopfende des Tisches. Die beiden Kommandierenden Generale saßen rechts und links von ihm. Der eine, der Kommandierende aus der Schlucht bei Gumrak, war von den Resten seiner im Nordkessel liegenden Truppen abgetrennt. Der andere, ein Sechzigjähriger mit blauen Augen und schlohweißem Haar, war der Machfolger des ausgeflogenen Generals Jänicke, der ihm nichts als den Zusammenbruch hinterlassen hatte, und dieser Kommandierende General der Südfront hatte nun überhaupt nichts mehr hinter sich. Die Splitter einiger seiner Stãbe lagen am südlichen Stadtrand, und seine letzte Pivision, die 297. I. D., hatte südlich der Zariza die Waffen gestreckt und war mit ihrem Kommandeur an der Spitze zu den Russen übergegangen. Vilshofen , der neben dem Kommandierenden General der Südfront saß, war noch ohne Generalsabzeichen und trug noch die Schwarze Panzeruniform, die er vom Mius bis Zur Wolga angehabt und die er nachher durch alle Schluchten und Erdlõcher der zurückfallenden Westfront und noch nach- her durch noch ganz andere Orte geschleppt hatte, und die nicht mehr schwarz, sondern ein zZerschlissenes Grau war. Dann war da noch Oberstleutnant Unschlicht, ein Oberst aus der Wehrwirtschaftsabteilung, ein Hauptmann, noch ein zartwangiger, eben beförderter Hauptmann, Begleiter der beiden Kommandierenden Generale, und vom Gönnernschen Stab waren der I A da und der Divisionsveterinär und einige jüngere Offhkiere, und als man schon beim Essen saß, kam noch ein General herein, eben jener General Vennekohl, der in der Nachbarschaft eine Höhle bewohnte, eine zusammengeworfene Truppe führte und bei dem an diesem Tage durchgeführten Gegenstoß der eigentliche treibende Motor gewesen war. Die Herren saßen da mit ernsten Gesichtern bei ihrer Pferdesuppe.„Bißchen süß!“ fand einer, der zuletzt hereingekommene General Vennekohl. Der neben ihm saß, bestätigte es mit Stummem Kopfnicken. Die anderen hörten oder sahen über diese Bemerkung hinweg. Schließ- lich mäkelt man nicht, wenn man zu Gast sitzt, über das Essen, auch nicht, wenn es ein Saufraß ist! Doch mehr als einer dachte an die Konservenbüchse, an die Hart-
wurst, an die eiserne Ration im eigenen Rucksack, und dachte, daß es wohl an der
Zeit sei, ganz unformell das Figene auf den Tisch zu legen.
Es war ein trübes Mahl.
Die Teller wurden abgeräumt und jedem der Herren wurde eine Tasse mit Kaffee- brühe gereicht. Eine Zigarette konnte man sich anstecken, die hatte man noch. Die Tischgesellschaft lste sich auf. Und wieder begann, was auch vorher hier gewesen war. Aufundabdenken, Aufundabgehen, Vorsichhinstarren, ein Buch lesen oder darin blättern.
Der General aus Gumrak war schon immer ein Wanderer gewesen, und nicht so Sehr Morgenritten, weit mehr ausgedehnten Morgenspaziergängen verdankte er seine Schlanke Gestalt. Diese Gewohnheit hatte er auch im Kriege beibehalten. Im Frank- reichfeldzug waren es Wanderungen durch taufrischen Wald oder im Norden ent- lang der Meeresküste gewesen; und im Ostkrieg und während des Vormarsches von den wechselnden Sitzen seines Stabsquartiers aus, waren es Wege, einmal ein Fluß-
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