von Mauerfetzen gekrönten dicken Trümmer- und Schutthaufen befand sich der Keller, in den Gönnern mit Oberfeldwebel, Feldküche, Aggregat für elektrischen Strom, mit den Offizieren seines Stabes eingezogen war und in dem sich noch Platz für einige Gäste gefunden hatte.
Der General betrat einen von Gebälk abgestützten, wie einen Stolen schräg nach unten führenden Gang. Er überließ seinem Burschen, der ihm auf dem Fuße gefolgt war, Karabiner und Koppel. Den Tarnmantel hängte er selbst an den Magel. Ja, man hatte das nötig gehabt, und wahrlich nicht nur eines Trampelpfades wegen (denn der wird morgen vielleicht schon wieder von MG- und Werfernestern ver- Pestet sein). Man hatte das noch aus anderen, aus inneren Gründen nötig. Denn: „Das ist der Weisheit letzter Schluß: Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muß!“
In dem Kellergewölbe stand ein Tisch, ein zweiter Tisch, an den Wänden standen Pritschen. Die Herren, die herumsaßen und herumstanden, sahen Gönnern an seine Pritsche treten und sich den Pelzmantel ausziehen.
„Eine saukalte Macht!“ sagte einer.
Kellerluft, Dunst trocknender Kleider, herumstehende Leder- und Rohrplatten- koffer, einige geöffnet, über dem Tisch eine aus dem Aggregat gespeiste helle Lampe, das war die Generalsherberge. Vilshofen saß vor dem Ofen, in der Hand hielt er einen Strumpf, den er trocknete. Sein Blick ruhte, während Gönnern sich aus dem Mantel herausschälte und dann im Uniformrock und den Hosen mit den roten Gene- ralsstreifen dastand, nachdenklich auf dessen Gestalt; dabei war es nicht einmal gewiß, ob er Gönnern überhaupt sah, ob sein Blick nicht ganz und gar durch ihn hindurchging. Nach dem Erfolg des Unternehmens wurde der Fintretende von niemand gefragt. Gönnern war also wieder da, nun gut! Neues konnte er von seinem Gang kaum mitgebracht haben. Man gab sich wieder seiner Beschäftigung hin. Und das war, den Kopf in die Hände stützen und Rundherumdenken, oder es war Auf- undab- und Aufundabgehen. Und dabei kam man doch immer wieder auf denselben Punkt, beim Denken und auch beim Aufundabgehen.
Man hat zu warten, auf das Freignis, und zwar von außen. Von außen muß die Tür aufgemacht werden. Die Hand, die sie von innen geöffnet hätte, ist nicht da. Des eigenen Entschlusses hat man sich begeben. Das ist die Tragõdie der Männer hier im Keller, der ganzen Armee, eines ganzen Volkes! Das war es, was Vilshofen dachte, und weiter dachte er: Das einzige was zu beschließen bleibt, ist der Griff nach der Pistolentasche.
Die Ordonnanzen deckten den Tisch. Mur auf Gönnern war so lange gewartet worden. Die Herren nahmen Platz. Es gab abends, was es auch mittags gegeben hatte. Jeder hatte einen Teller vor sich. In dem Teller war eine trübe Brühe, und in der Brühe schwammen sechs oder sieben kubikzentimetergroße Würfel Pferdefleisch. Dazu gab es eine Scheibe Knäckebrot.
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