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Stalingrad : Roman / Theodor Plievier
Entstehung
Seite
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lassen, die Bunker leer. Nur Kram und leere Kisten und Akten und Konserven- büchsen lagen herum.

Am Tage vorher hatte er hier noch einen Auftrag annehmen sollen:Gut, daß Sie kommen, Buchner. Ich habe für Sie einen Auftrag!Ich nehme überhaupt keinen Auftrag an, Herr Oberst. Ich bin so kaputt. Ich muß erst mal schlafen!

Und nach dem Schlaf wieder der Auftrag:

Ich kann keinen Auftrag annehmen, Herr Oberst. Ich muß erst meine Leute sam- meln, und dazu muß ich Leutnant Stampfer mit den Troßfahrzeugen finden! Das war einen Tag vorher, und als er das zweitemal dort einkehrte, war alles wüst und leer.

Aber dann tauchten aus einem der Bunker doch noch drei Mann auf. Es waren Leute der eigenen Abteilung, und sie berichteten, daß in Stalingrad-Mitte in einem Keller weitere 24 Mann der Abteilung säßen. Auch über Stampfer hatten sie eine Nach- richt. Stampfer gefallen, die Troßfahrzeuge zusammengeschossen.

Das bedeutete das Ende der Abteilung. Den abgegebenen 120 Männern vermochte er nun nicht mehr zu helfen, ohne Troß und Verpflegung konnte er sie niemals mehr einlõsen. Drei Mann hatte er nun noch von den ehemaligen achthundert, und die 24 Mann in Stalingrad wollte er auch noch um sich zusammenscharen. Auf dem Wege dahin und noch außerhalb Stalingrads erblickten sie am Stadtrand in einem Keller ein flackerndes Feuer. Dort angekommen, fanden sie einige Leute, die da beieinander hockten und sich wärmten. Major, Adjutant und die drei Mann setzten sich dazu und verdösten eine Stunde. Und weil voraus in dem Straßengewirr wie von hundert Affen geschossen wurde, konnten sie sich nachher nur von Wand zu Wand weitertasten. Dabei kam der Adjutant, Leutnant Loose, zu Fall. Es sah weiter nicht schlimm aus.Was ist 10s, Loose?Das Bein, Herr Major! Loose wurde aufgerichtet, knickte wieder zusammen. Er konnte nicht mehr gehen. Sie schleppten ihn zurũck zum Keller. Und es war doch schlimm, eine Splitterverwundung, und das Bein sah bõe aus. Es fanden sich noch zwei Verbandpãckchen, die wurden herum- gewickelt. Bei der Größe der Wunde waren sie so gut wie nichts, und ein Hemd wurde noch zu Hilfe genommen. Fine Trage wurde konstruiert, danach ging es mit Leutnant Loose zur Ortskommandantur, wo Verwundete gesammelt und versorgt wurden. Unterwegs fanden sich auch die 24 Mann der Abteilung in dem bezeichneten Keller, die wurden mitgenommen. Mit 27 Mann und Leutnant Loose auf der Trage kamen sie vor der Ortskommandantur an. Buchner, Loose und die zwei Mann, die ihn trugen, gingen hinein. Als Buchner nach einer Weile ohne Loose zurückkam, Setzte er sich stumm an die Spitze seines Zuges.

Es wurde wieder geschossen. Buchner ging keinen Schritt langsamer und keinen Schritt schneller, ihm war alles egal. Dafür, dafür... ging es ihm im Kopf herum. Dafür der Weg von Charkow über den Mius und über den Don, dafür das Massaker bei Werchnaja Businowka, dafür Höhe 112, dafür der Kasatschihügel, dafür der Zusammenbruch auf dem Bahndamm bei Woroponowo, für so ein Ende, für so eine

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