So begann die võllige Zersprengung und die Irrfahrt ohne Ende, und was ihn selbst anbelangt, zuerst auf der alten„Krücke“, und als der Sprit alle war, zu Fuß; zuerst durch Nebel und Schneesturm und dann durch klare Luft und Klirrende Kälte. Die hundertzwanzig Mann waren an den„Weißen Häusern“ richtig angekommen und hatten dort Quartier bezogen. Aber Leutnant Stampfer mit Troßfahrzeugen und Verpflegung war verschwunden. Und es begann die Suche kreuz und quer durch Stalingrad . Haben Sie Flakfahrzeuge geschen? Nein! Haben Sie Flaksoldaten ge- sehen? Nein! Sie kennen doch meinen Leutnant Stampfer? Micht gesehen! Die Truppe saß im Keller und hungerte. Ferngespräch mit einem Infanterieregiment. Nein, kann nichts zu essen abgeben! Geben Sie mir Ihre Leute, dann gibt's auch zu essen! So bekam der Infanteriekommandeur die Flaktruppe, hundertzwanzig Mann für hundertzwanig halbe Brote. Und weiter ging die Suche nach Stampfer. Zusammen mit seinem Adjutanten Loose zurück nach draußen. Am Wãldchen „Blumentopf“ ging die Spur verloren. Zurück nach Stalingrad und wieder zurück nach„Blumentopf“, ohne die„Krücke“ diesmal, die war ohne Sprit auf dem Wege geblieben und zu Fuß das zweitemal. Das erstemal hatte„Blumentopf“ in dickem Punst und in tiefstem Frieden dagelegen. Das zweitemal war heller Sonnenschein, und Blumentopf“ war überhaupt nicht mehr vorhanden, da waren nur noch rauchende Haufen, da waren Leichen, da war eine durch den Schnee stakende Truppe mit hocherhobenen Händen, in der Mitte einer mit einem flatternden weißen Fetzen. Am„Tatarenwall“ in einem Bunker Verwundete: Nehmt uns doch mit! Nehmt uns doch mit! Wie mitnehmen, ohne Fahrzeug, auf Füßen, die schon selbst nicht mehr weiter wollen. Wie mitnehmen— einen ganzen Bunker voll Männer, die sich nicht mehr aufrichten konnten. Als sie sich umwandten und weitergingen, weinten die Zurũckhleibenden.
Pieses Weinen erwachsener Männer begleitete Major Buchner, als er unter einem hohen Sternenhimmel über den vereinsamten Flugplatz wanderte. Loose an seiner Seite war vollständig verstummt und war so fertig, daß er immer ein paar Schritte hinterher trottete. Sie wollten ihren Regimentsgefechtsstand erreichen. Die Fahrer- mäntel, die sie trugen, waren schwer, zudem so lang, daß sie sich dauernd auf die Spitzen traten. Sie waren hundemũde, es ging kaum noch weiter. Wieder ein Bunker, und da Buchner kein Weinen mehr ertragen konnte, ließ er erst Loose hinunter- steigen. Der kam bald zurück, packte ihn am Krmel, z0g ihn vom Bunker weg:„Da sind Russen drin, die pennen!“ Also weiter. Eine halbe Stunde spãter Sahen sie an 80 Mann in Gänselinie quer über das Feld zichen. Deutsche? Russen? Ein Mann hinkte hinterher. An den machten sie sich heran:„Wer seid ihr?“ Der Mann ant- wortete in französischer Sprache. Er hatte sie ebenfalls für Russen gehalten! Es war eine Bautruppe, unterwegs nach Stalingrad-Mitte.
Schließlich erreichten sie den Regimentsgefechtsstand, wo sie am Tage vorher noch den ganzen Stab angetroffen hatten und der Kommandeur nicht hatte fassen wollen, daß sich Gumrak schon in den Händen der Russen befand. Jetzt war die Stätte ver-
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