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Stalingrad : Roman / Theodor Plievier
Entstehung
Seite
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Frühstück, das nicht von Pappe war, das aus prima Hartwurstscheiben, aus Brot und Butter bestand, und er schlief sich danach einmal richtig aus.

Und wieder wat es der lugplatꝰ, das war einen Tag spãter. Dieses Mal war der Platz kein Skigelände mehr, sondern ein sehr ungemtliches Rollfeld für russische Panzer, und eine Hõhe und noch eine Höhe und ein Wäldchen, und wo man hinblickte, da vpuckte es; und man wußte wieder, daß man nichts als Stäubchen war. Aber ein vom Glũck getriebenes Stãubchen gelangte er über denTatarenwall, und da war dann auch alles beieinander da waren wieder die LKWs mit Koffern, eine Troß- kolonne, weggeworfene 2-cm-Flakgeschütze, Haufen humpelnden Volks, da waren auch russische schwere Panzer, über LKW und Koffer rollten sie weg, über einen Haufen aufheulenden Volks, und den andern Haufen schnitten sie den Weg ab. Fünf, sechs Panzer auf der weiten Schneefläche, und die Luken gingen auf, und auf Wagen Eins tauchte ein russischer Offizier auf, in der Hand eine Maschinenpistole, auch auf Wagen Zwei, auch auf Prei, und die Pan?er auf dem Schnee und unter dem hohen Himmel muteten nicht anders an als Fischerboote, die das Schleppnet? aus- gehängt haben. Der Offhier fuchtelt mit der Maschinenpistole und deutet in die Richtung nach hinten und brüllte immer wieder sein langgezogenesDawai! Dawai! Das hieß wohl: Nun wird es aber Zeit, und bitte etwas schneller! Und wer Füße hatte, der benutzte sie und lief, was er konnte! Stäubchen Lawkow aber befand sich an der Grenzlinie dieses großen Fischuges und blieb außerhalb des sich enger zusammerziehenden Feldes laufender und keuchender Geschöpfe. Natürlich, auch er lief, auch er keuchte, aber er lief nach der entgegengeset?ten Richtung. Rechts und links sprangen krepierende Panzergeschosse aus dem Schnee auf, und mehr als einer schlug um und blieb liegen. Das Stäubchen aber gelangte zuerst an einen wie ein Zinnsoldat dastehenden Turm und dann in den Schutz eines Ruinenhaufens, und nachher vor die Tür eines Bunkers, vor die Türen einer Anzahl von Bunkern. Da war Umzug, und meine Fresse, mit eigenem Koch und Friseur und Kosmetik und Gummibadewanne. Man meinte schon, es wäre der Feldmarschall persõnlich, aber es war nur ein Regimentskommandeur und ein Regimentsstab, der Stab des 1oo. Jãger-Regiments. Und zu sagen ist, die Herren haben Nerven, ein ganzer LKW- Park, und wieder Koffer, Funkgerät, Ia-Sachen, Akten, und auch Sprit war dafür da; und draußen amTatarenwall lagen die Flakgeschütze, die gegen die Panzer hätten anfahren müssen, weggeworfen und ohne Sprit. Hier jedenfalls war Umzug, und hãtte er sich nicht verkehrt gesetzt, das heißt auf den Wagen mit den Akten- bündeln(der dann schließlich doch stehenblieb), so wäre er auch mit umgezogen und hoch zu Wagen nach Stalingrad hineingerollt. So aber hatte er das Nachsehen, und et mußte von dem Wagen wieder runter. Nun, schließlich hatte man inzwischen die Erfahrung, daß man in so einem geräumten Stabsquartier sich immer noch mal für einige Zeit einrichten konnte. Und das tat er dann auch, bis er am folgenden Tage weiterschlich. Und zwar bis hierher, bis an diese Stelle. Und da lag er nun in einer Schneemulde und peilte die Lage. Jetzt hieß es weiter, bis zur Ortskommandantur,

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