war in Stalingrad- Nord, die andere größere Hälfte in Stalingrad-Mitte konzentriert. An zehntausend Mann lagen im„Theaterkeller“ und in den Gewölben rings um den„Platz der Gefallenen“ herum. An fünftausend Mann hatten in der Ruine des „Volkskommissariats für innere Angelegenheiten“ Zuflucht gefunden, andere Tau- sende unter den Trümmern eines Getreideelevators, eines großes Kühlhauses, einer Kaserne, unter Ruinen rings um den Bahnhof herum, noch andere Tausende, auch Gruppen von Hunderten und Dutzenden an noch anderen Stellen. Und noch immer zogen über den Flugplatz auf der Straße von Gumrak und auch weiter südlich quer über das Feld(ein Teil geriet in Gefangenschaft, andere kamen durch), über Schutt- felder, durch Straßenlabyrinthe, durch die zahllosen die Stadt durchschneidenden Gräãben Verwundete, Versprengte, letzte Häuflein von Regimentern, die hier, zwei- tausend Kilometer von der Heimat entfernt, ein Loch suchten, sich darin zu ver- kriechen oder, wenn es sein mußte, zum Sterben. Die Männer lebten und bewegten sich noch! Der Flakkommandeur, Major Buchner, suchte noch immer seinen Leut- nant Stampfer, der mit der Troßkolonne verschwunden war. Der Bataillonsadjutant des 261. Grenadierregiments, der kleine Leutnant Lawkow, seinen Armstummel in einem Fetzen dicht an den Leib gebunden, war zur Fliegerschule gelangt und tastete sich langsam weiter nach Stalingrad -Stadt hinein Geine Landsleute vom MG-Bataillon 9 allerdings, darunter Heinrich Halluweit und Karl Wischwill und Johann Göritt, waren jenseits des„Tatarenwalls“ von Panzern in den Schnee hinein- gewalzt worden). Der Soldat Franz Widomec aus Bottrop war einer in einem langen Verwundetenzug, den Oberstabsarzt Simmering von Gumrak her schon Tag und Nacht hinter sich herzog.
Oberstabsarzt Simmering war im November vom Heimaturlaub an die Stalingrad - front zurückgekehrt. Mit vier Tagen Verspätung war er in Wertjatschi eingetroffen. Und diese Verspãtung, das heißt die Beobachtungen während der stundenlangen Wartezeiten an jeder der kleinen Ausweichstellen, hatten ihm einiges Klargemacht, was seine eigene Sanitätseinheit und die Lage an der gesamten Nordriegelstellung der Stalingrader Front anbelangte.
An der Front war niemals Munition vorhanden gewesen in Mengen, wie sie ge- braucht wurden. Die Anfuhr an Versorgungsgütern hatte der Munitionsanfuhr noch nachzustehen. Und der Abtransport der Verwundeten rangierte noch nach den Verpflegungsgũter- und Munitionstransporten. Bis Tschir war das Gleis für Laza- rettzũge überhaupt nicht freigegeben. Und so waren Leichtverwundete und Schwer- verwundete(da gab es keinen Unterschied) mit Leergüterzügen bis Tschir und auch bis in das Donezgebiet geschickt worden. Was das bedeutete, davon hatte er einen Begriff bekommen, als er die Gleise jeder kleinen Station verstopft fand mit Truppen- transporten, mit offenen Loren, beladen mit Panzern, Geschützen, Kfz, Ersatzteilen, mit Munitions- und Gütertransporten, und dazwischen dann auch eine Reihe Güter- wagen mit Verwundetenfrachten, die stundenlang und manchmal volle vierund- zwanzig Stunden an der Stelle standen, ehe sie wieder anruckten und zur nächsten
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