Der sich die Finger blies, war ein Leutnant.„Gibt es Praktisch nicht mehr, Herr Pfarrer!“ sagte er.„Dort“(er zeigte in die Schneewüste hinaus),„lag gestern noch ein Regiment. Gestern vormittag ist es zerschlagen worden. Was gibt es noch? Fine Nachrichtentruppe, ein paar Infanteristen und einen Haufen Stabsschreiber ohne jede Kampfkraft.“
„Und wo liegen die Stäbe?“
„Der Korpsstab ist meines Wissens abgehauen. Der Stab der 297. Infanteriedivision ist noch da.“
„Wo liegt der?“
„Hundert Meter weiter hinten, links der Straße!“
Das Pionierkommando blieb zurück. Pfarrer, Kriegsgerichtsrat, Stabszahlmeister, Zahlmeisteranwärter stapften weiter. An hundert Meter weiter hinten und links der Straße gelangten sie an einen Bunker. Und Stille lag plõtzlich über dem Land. Das Ponnern des Sturmes war Seit einiger Zeit weggeblieben. Ein niedrig zichender Bodennebel lõste die Nacht ab. Neben dem Bunker stand ein Posten unter Gewehr. „Liegt hier der Stab der 297sten?“
„Nije ponimaju!“ erwiderte der Posten mit unbewegtem Gesicht.
„Nje ponimaju: Ich verstehe nicht!“ Pfarrer, Kriegsgerichtsrat, Stabszahlmeister, Zahlmeisteranwärter verstanden auch nicht. Der Posten hob die Hand und deutete in den Dunst. Jetzt verstanden sie mehr, und jetzt standen sie da, unbeweglich wie vier Schneemänner.
Eine Truppe marschierte auf, in Dreierkolonnen, in Lumpen gehüllt, aber in genau eingehaltenen Gruppenabständen(ein lange nicht mehr gesehenes Bild), voran die Offiziere, allen voran der General.
„Abteilung Halt!— Gewehr ab!— Stillgestanden: Richt euch!“
Fin Major machte Meldung.
Der General dankte.
Irgend etwas war nicht in Ordnung, war ungeklärt, für irgend etwas fehlte die Formel, die war im Exerzierreglement nicht vorgesehen. Der Major machte kehrt, baute sich vor der Front auf.„Rührt euch!“ Und unmilitärisch, ein fallengelassenes Wort: „Legt die Handwaffen in den Schnee nieder!“
Das war getan. Wieder:„Stillgestanden!“
An dreihundert Mann, das war alles, was ringsherum hatte zusammengetrommelt werden können. Der Major winkte auch den Pfarrer, Kriegsgerichtsrat, Stabszahl- meister, Zahlmeisteranwärter heran. Der Pfarrer blieb stehen, drehte sich um und ging davon, und der Zahlmeisteranwärter Schweidnitz folgte ihm. Miemand kümmerte sich um die beiden. Kriegsgerichtsrat und Stabszahlmeister nahmen vor der Front am linken Flügel der Offiziere Platz. An dreihundert Mann, zwei Regimentskomman- deure und die Stabsoffiziere. Die Offiziere standen vor der Front.
Der General schritt allein über das weiße Feld.
Er blieb stehen, salutierte. Ihm gegenüber stand ein russischer Offhier, auf dem
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