dem Beil oder auch den Gashahn kann sie aufdrehen, das ist dann schon ihre Sache. Das geht den Herrn Stabszahlmeister nichts mehr an. Er hat es ihnen ja übrigens vorgemacht. Nein, Herr Stabszahlmeister, so geht das nicht, so darf ein Mensch sich nicht drücken! Zahlmeister! Mensch, Zabel...
pfarrer Koog zog Zabel an einem Arm hinter sich her zum Haustor und als er ihn 8o weit hatte, daß er wieder hineinging, war er selbst ebenfalls fertig“. Er konnte nicht mehr, er war an diesem Tage nicht nur in einem Selbstmörderhaus gewesen, von morgens bis abends und schon Tage hindurch hatte er Menschen wieder auf- richten müssen. Jetzt versagten seine Nerven, er hockte sich auf die Türschwelle hin, und niemand war da, der ihm Trost zugesprochen hätte.
Er saß da und weinte wie ein Kind.
Bs waren aber keine russischen Panzer bis an die Hütte gelangt. Die Detonation hatte eine andere Ursache gehabt. Bin Pionier-Kommando hatte die in der Nähe gelegene, die Schlucht überspannende Brücke in die Luft gesprengt. Ein Unter- offizier dieses Sprengkommandos kam nachher in die Hütte herein. Und Zabel, der Kriegsgerichtsrat, der Pfarrer und Schweidnit?(um den Oberveterinär und den Oberfeldveterinär brauchten sie sich nicht mehr zu sorgen) warteten nicht länger auf᷑ den PKW aus der Pivision; diesem Unteroffizier und seinem Sprengkommando Schlossen sie sich an, und so marschierten sie gegen Zariza-Süd.
Der Weg führte durch die Zariza-Schlucht.
Das Geknatter der Böen an den Wänden der Schlucht setzte eine Weile aus, doch der gleichmäßig durch die Talsohle zichende Strom, der den Schnee in gerader Bahn mit sich nahm, brauste weiter. Es war das Tal des Schnees, und wenn man für Minuten die Augen auftun konnte, vah man den Schnee— in aufgestiegenen Mauern, in langsam über den Weg rollenden Walzen. Der Schnee glitzerte an den Talwänden und überhing Steilflächen wie vorspringende Dächer Hauswände überhängen, und in windgeschützten Winkeln spannte er sich in hängenden Girlanden von Zacken zu Zacken. Aber dann sprang der Sturm wieder auf und zerbrach das weiße Gehänge, und Zahlmeister und Kriegsgerichtsrat und Pfarrer und Soldaten Sahen nichts mehr. Sie drängten sich aneinander und nicht anders als ein eisverkrustetes Schiff z0g dieser Haufen Männer über immer neu aufsteigende Schneewehen und trieb auf weißem Strom gegen Zariza-Süd und Stalingrad .
Sie würden den Hafen erreichen, sie wußten allerdings noch nicht, was für ein Hafen es war, der ihrer wartete. In einem Schneeloch an der Hauptstraße Woroponowo- Stalingrad fanden sie einen Haufen Soldaten— ineinander verfilzte Mäntel, Decken und Gelump, Fäuste in Fausthandschuhen, Gesichter, eine Nase, ein Paar schnee- verkrustete Augenbrauen. Ein Mann hatte den Handschuh ausgezogen und blies sich die Fingerspitzen an.
„Wo verläuft eigentlich die neue HKL? fragte Pfarrer Koog. Der Mann blies weiter seine Fingerspitzen.„Eine HKI. gibt es nicht mehr!“ sagte er.
„So, gibt es nicht mehr?“


