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Stalingrad : Roman / Theodor Plievier
Entstehung
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Pieses aus Beamten bestehende Auffangkommando bildete zwar nicht die Nachhut der Truppe, aber es war gewissermaßen die Nachhut des Divisionsstabes oder Sogar die von Zwei Divisionsstãben und einem Korpsstab, die vorher hier in den Hütten gelegen und jetzt weitergezogen waren nack der sůdlich gelegenen Vorstadt Stalin- grads. Mach dem letzten Auffang-Unternehmen waren auch die I. und II. General- Stabsoffiziere nach Minina abgerückt, und jetzt warteten auch die zurückgebliebenen Beamten auf den PKW, der sie abholen sollte. Sie stäubten den Schnee von ihrem Bußwerk und ihren Pelzmãnteln, zogen die Mäntel wieder an und set?ten sich hin. Auf dem Tisch stand ein Hindenburglicht, ein Pocht in einem kleinen Talgbehälter aus Pappe. Die Gesichter am Tisch erschienen trübe, und es sah so aus, als ob sie mit dem Flackern des Dochtes in jedem Moment ganz verlöschen wollten. Stabs- zahlmeister, Oberfeldveterinär, Oberveterinär, Kriegsgerichtsrat, einer nach dem andern zog sich zurück und hockte sich auf seinen Pritschenrand hin. Sie warteten auf den PKW, und sie warteten auch auf den Pfarrer Koog, der nicht mit ihnen zu- rückgekommen war.

Der Koog macht aber lange! ließ Sich die Stimme des Oberveterinärs vernehmen. Beim Intendanturrat war er, dann ist er noch zu dem Obersten gegangen! sagte der Kriegsgerichtsrat.Nein, der hat's auch nicht leicht; jedem Menschen so eine Sache aus dem Kopf herausreden müssen, brr schnaufte Stabszahlmeister Zabel.

Fangen Sie doch nicht wieder damit an, Herr Zabel! ereiferte sich der Ober- feldveterinãr.

Ich sag' ja nichts, aber die Leute diskutieren stundenlang darüber, und ob man's machen muß, und wie man's machen soll. Und wenn man auch nicht will; man muß doch daran denken, und man malt sich alles aus...

Der Oberfeldveterinär stõhnte, und er wollte nichts weiter hören und streckte sich lang aus und zog sich den Pelzkragen über die Ohren. Der Oberveterinär legte sich ebenfalls hin. Seine Pritsche befand sich über der des Pfarrers.

Der PKW bleibt aber auch lange aus.

Man müßte mal in Zariza-Süd anrufen!

Sie telefonierten, erhielten aber nur den Bescheid, daß sie sich bereithalten sollten. ür den PKW müßte noch Sprit besorgt werden, und er hätte dann vorher noch eine andere Fahrt zu machen.

Nach einer Weile trat Pfarrer Koog ein, setzte sich an den Tisch und starrte in das Hindenburglicht. Er schien es nicht zu wissen, daß von den Wänden und aus dem Dunkel her vier Augenpaare auf ihm ruhten und auf seinem Gesicht zu lesen trach- teten.

Er war müde, sprach wie aus dem Schlaf:

Nun auch der Oberst... und ich verstehe es, ich kann es verstehen, wenn heute einer mit sich Schluß macht und sich das Leben nimmt!

Da knarrte eine der Pritschen, der Oberfeldveterinär hob sich auf, ein großer breit-

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