Teile aufgespalten ist, noch weit mehr! Alles was wir tun: das grauenhafte Sterben weiter hinausziehen!“
„Durchbruch!“ war in diesem Kreis einmal das Leitwort gewesen, und als das verweigert worden war, war„Handlungsfreiheit“ das Wort gewesen⸗ und als das verweigert worden war, hieß es„Kampf bis zur letzten Patrone! Man muß eine Art Alkazar bilden; so kann man sich noch monatelang halten!“
Jetzt stand ein General auf und sagte:„6 ooo unversorgte Verwundete. Verpfle- gung, Kraftstoff, Munition am Ende. Keine Stellungen, keine Unterkünfte, kein Brennholz. In der Truppe überall Auflõsungserscheinungen. Das war vor vier Tagen unsere Feststellung. Und das ist formuliert und dem Führer gefunkt worden. Die Antwort ist den Herren bekannt!“
Der Chef des Stabes wiederholte die Antwort noch einmal:
„Kapitulation ausgeschlossen!“
Der General aus der Schlucht bei Gumrak betrachtete die Gesichter der um den Tisch Herumsitzenden. Der Oberbefehlshaber war da, seine linke Gesichtshälfte und die Augenbraue zuckten. Zwei Kommandierende Generale waten da(er selbst war der dritte, der vierte befand sich in dem abgesplitterten Nordteil des Kessels, der fünfte hatte in Jelschanka gelegentlich eines Bombenangriffs durch ein Brett eine Streifwunde erhalten und war ausgeflogen). Der Adjutant war da und noch einige Oberste, auch der mit letzten Pirektiven aus Berlin eingetroffene Oberst Carras. Der Blick des Generals blieb an dem langen Pferdegesicht des Chefs des Stabes haften.„Der böse Geist“ des Oberbefehlshabers, keiner hat wie er hier das Durchhalten verlangt, und hat dabei doch Selbst abspringen wollen— noch in„Hart- mannsdorf“ mit dem letzten Flugzeug, um„dem Führer Bericht zu erstatten“ und um nicht wiederzukehren. Fine häßliche Szene da in„Hartmannsdorf “, eine gan?e Nacht lang hat er das letzte Flugzeug auf dem Flugplat? Gumrak zurückgehalten und die ganze Nacht hindurch versucht, den OB für sein Vorhaben zu gewinnen. Biner Palastrevolution hatte es geradezu bedurft— des Protestes des I A, und der Adjutant mußte erklären, daß er sich auf der Stelle erschießen würde— um das Ausfliegen des Chefs der Armee zu vereiteln. Und im letzten Armeequartier, im „Sanatorium“, war es wieder der Chef, der durch sein Trödeln und durch sein Hinziehen des Umzuges nach Stalingrad-Mitte es um ein Haar dazu gebracht hätte, daß das Armeeoberkommando von der Truppe abgeschnitten und in Gefangen- schaft geraten wäre.
„Kapitulation ausgeschlossen!“ sagte dieser selbe Chef jetzt.
Pieses Wort stand in der Luft des Kellers und über dem runden Verhandlungs- tisch. Und noch ein anderes war da, gesperstisch und doch wirklich vorhanden: ein Oberbefehlshaber einer Armee, ein Chef des Stabes einer Armee, drei Kom- mandierende Generale, Chefs von Kotpsstãben, Generale, Oberste— graue Ge- sichter, überreizt und übernächtigt, mit sich Selbst und mit den andern zerfallen, die Nerven flatternd von ewigen Bombardements, gelähmt von dunkel heraufziehen-
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