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Stalingrad : Roman / Theodor Plievier
Entstehung
Seite
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Holmers, jetzt hören Sie her! Im Südkessel geht es drunter und drüber, und wenn der Südkessel fällt, sind wir hier im Nordkessel dran! Auch bei uns ist der Russe weiter durchgebrochen. Sie melden sich sofort auf der Division! Sie müssen un- verzüglich noch einmal die Keller durchkämmen!

Diesen Befehl, Herr Oberstleutnant, kann ich nicht ausführen!

Herr Major.

Die Keller, nein, da bringt mich keiner mehr rein. Bitte Herrn Oberstleutnant, an die Front geschickt zu werden!

Dort wird nicht einer, dort werden Hunderte, werden Tausende gebraucht. Und niemand versteht es so ausgezeichnet wie sie, Holmers, das haben Sie heute gezeigt! Hunderte, Tausende.. zweihunderttausend, zweiundzwanzig Pivisionen sind es bereits, bis auf die Reste in den Kellern, Herr Oberstleutnant! Mein Gott, Herr Oberstleutnant sind frisch rasiert, gehen Herr Oberstleutnant Selbst, halten Herr Oberstleutnant mal die Mase an so eine stinkende Genickbeule...

FHerr

Das war ein Anschnauben, aber Holmers ließ es nicht gelten. Es machte keinen Eindruck auf ihn..

Stinkende Genickbeulen, die Männer voller Geschwüre, mit steifen Beinen, mit Tränenfluß, das wollen Sie doch, die wollen Sie doch, holen Sie sich Ihr Kanonen- futter selbst!

Holmers ließ sich nicht anhalten:Stalingrad neun Zehmtel haben wir schon den Rest holen wir uns noch! Den Rest an Ausgemergelten, Entkräfteten, Tod- matten holen wir uns noch so lautet der Befehl heute! Was soll das eigentlich? Die kãmpfen doch nicht mehr, die werden doch nur in die Erde gewalzt! Das mache ich nicht mehr mit. Ich bin kein Polizist, auch kein Leichenbestatter! Aber mit halben Leichen den Kampf fortsetzen, das ist, das ist

Holmers schlug mit der Faust auf den Tisch. Er verlor jede Kontrolle über sich. Pas Gesicht des Oberstleutnants, noch ein glattrasiertes Gesicht, verschwamm vor seinen Augen, und er hörte auch nicht, was sie sagten.

Er blickte sich wild um.

Etwas mußte geschehen!

Aber er war kein alter Herr mit Halsbinde und Schifferfräse, der dicken Rum ge- trunken hat und unter dem Pico Alto, von fremden, unverständlichen Gestalten umdrängt, eine Kneipe ausräumt. Er war der Enkel, auch er war von fremden, unverstãndlichen Gestalten umdrängt, aber er war Offhzier.

Er sagte:Das ist unverantwortlich, meine Herren!

Und ging zur Tür und warf sie hinter sich zu.

Die Zurückbleibenden schüttelten die Köpfe.

Biner sagte:Ja, es ist wirklich zum Verrũcktwerden!

Der Oberstleutnam sagte:Er will an die Front, also schicken wir ihn an den Stadtrand!

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