Linie führen und dort zu anderen schon Aufgefangenen und von Rückwärtigen Diensten nach vorn Gebrachten hinlegen ließen.
Als Gnotke am anderen Tag die Augen aufschlug, hatte er unter sich Schnee, und über sich eine Zeltbahn, und auch darauf lag Schnee. Er lag in einer flachen Mulde, ringsherum Decken, Mäntel, Gelump. Unter den Lumpen regte es sich. Der be- wachsene schwarze Kopf, der zum Vorschein kam, war der Altenhudens. Außerdem war Gimpf da und noch einer von den Neuen. Gnotke stellte sich auf, hob die Zelt- bahn und blickte hinaus. Freies Feld, wo der eisige Dunst sich hob, überall freies, blankes Feld; und hier am Rande des Feldes Zelte, und eine Gulaschkanone rauchte. Auch Altenhuden hob sich hoch, auch er blickte sich um, dann suchte er die Augen Gnotkes.
„Auf blankem Feld!“ sagte Gnotke.
„Hier Soll es also passieren!“ meinte Altenhuden. Nach einer Weile hob er die Hand und tippte sich mit dem Finger an die Stirn. Pas sollte heißen: Die haben ja einen Vogel. Und„die“, das waren jene in der Zarizaschlucht oder in Stalingrad oder in Berlin oder wo immer sie saßen, die hier noch Krieg führten.
Altenhuden sprach es sogar aus:
„Die haben einen Vogel!“
Unteroffizier Gnotke sagte:„Ich denke ja auch!“
Damit waren beide einig. Gnotke führte seine Gruppe, das waren Altenhuden, Gimpf, und der Neue, der hieß Franz Schiele, an die Gulaschkanone. Sie erhielten je eine Scheibe Brot und ein Kochgeschirr voll Pferdetee, das war heißes Wasser, in dem Pferdeknochen gekocht waren. Nachher trat der Führer der Kampfgruppe, ein Schirrmeister, an Gnotke heran und befahl:„Also nehmen Sie sich ein paar Mann und erkunden Sie das Gelände!“
Der Schirrmeister deutete dabei ins Unbestimmte, jedenfalls in die Richtung, in der die Russen zu vermuten waren.„Jawohl, Herr Oberschirrmeister!“ erwiderte Gnotke. Er wählte Altenhuden und wählte Gimpf aus und auch den Neuen nahm er mit. An der Gulaschkanone ließ er sich für jeden nochmals eine Scheibe Knäcke- brot aushändigen und ließ er nochmals die Kochgeschirre anfüllen.
Danach wanderten die vier los. Sie schlugen die Richtung auf einige Hausstümpfe ein, die aus hohen Schneewogen aufragten. Hier fanden sie ein Stück der langen eisernen Dachpfannen. Die Dachpfanne wurde von ihnen bearbeitet. Das eine Ende wurde nach oben angebogen, ihre Koppelriemen daran als Zugseil befestigt, und der Schlitten war fertig. An der gleichen Stelle fanden sie ein paar verkohlte Balkenreste, die wurden aufgeladen. Ihre Zeltbahnen und Sachen wurden dazugelegt, und der Schlitten wurde abwechselnd gezogen. So wanderten sie durch den Schnee, eine Gruppe unter Hunderten, die in diesen Tagen so umherschweiften und auf das Ende warteten. Die einzuschlagende Richtung war klar, sie war dem sich enger zusammen- ziehenden feuernden Ring abgewandt und war an dieser Stelle und an diesem Tage die Zarizaschlucht und war weiterhin Stalingrad .
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