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Stalingrad : Roman / Theodor Plievier
Entstehung
Seite
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Pappschãchtelchen mit der Aufschrift:Veronal. In seinem letzten Regiments- befehl stand:Anbetracht der Lage hat jeder volle Handlungsfreiheit. Ich gestatte jedem, Sein Leben in Sicherheit zu bringen und sich gefangenzugeben oder zu tun, was er in Anbetracht der Lage für richtig hãlt und was zu tun, insbesondere seinen Angehörigen gegenüber, die gegebene Pflicht ist.

Und hier in der Ziegelei traf Koog auch seinen Kollegen wieder, den katholischen Wehrmachtspfarrer Kalser, den er in der Panik vor Pitomnik verloren hatte. Zwischen der Ziegelei und dem Verpflegungsamt in der von Salvengeschossen durch- orgelten Macht stand Flakkommandeur Buchner. Rechts war die Ziegelei, und die brannte. Links war das Verpflegungsamt, und das war bereits ein auseinanderfallender Scheiterhaufen. Voraus war der Bahndamm, und da wurde jetzt, wie der Befehl es verlangte, die schwere Flak hinaufgewürgt, alles, was die Abteilung noch an 8,8-cm- Geschützen besaß.

Buchner stand auf dem Schneefeld, neben ihm sein Adjutant, Leutnant Loose, neben ihm sein Kolonnenführer, Leutnant Stampfer. Im Schein der russischen Salvengeschütze sahen sie die Flak in Stellung gehen und genau so scharf, das war verständlich, mußten in dem schwefligen Leuchten die Flakkanonen sich auch dem Russen abzeichnen.

Die Flak ist der moralische Halt der Infanterie! lautete der Spruch, der Buchner auf Seine Vorstellungen und auf sein Flehen vom IA, vom Chef des Stabes, vom Kommandeur des Panzerkorps geworden war.Aber das ist doch Wahnsinn, das ist doch lodernder Wahnsinn! brach er plötzlich los, und ballte die Fäuste und gab doch nicht den Befehl, der gegen den höheren Befehl gerichtet gewesen wäre. Er hatte noch nicht die Fertigmeldungen von den Batterien erhalten, als eine Höllen- Sache losging Feuer aus Salvengeschützen und zugleich aus Granatwerfern. Der Bahndamm gleißte weiß und färbte sich gelb und färbte sich grün, und die zum dunklen Himmel hochschleudernden und aus dem schwarzen Himmel wieder herab- fallenden Brocken, Lafetten, Räder, Rohre, Gestänge, das war seine schwere Flak, das war seine Abteilung.

Großer Gott im Himmel... Loose, Loose, Loose!

Buchner heulte, er fiel seinem Adjutanten in die Arme. Loose und Stampfer waren grün vom Widerschein der krepierenden Salvengeschosse. Unteroffizier Januscheck wischte sich Blut aus dem Gesicht, er sagte:Aber jetzt haben Sie alles zur Sau gemacht, Herr Major!

Sechs Kilometer entfernt von dieser Stelle, der Schauplatz nur getrennt durch eine Anhöhe, bewegte sich, gefolgt von einem Trupp seiner Ostpreußen , Major Keil dem Bahndamm entgegen. Auch hier lag Feuer aus Salvengeschützen. Als eine Lage in der Nãhe niederging, warfen Sich die Ostpreußen hin. Und da lag Heinrich Hallu- weit, der Koch, und hob seinen Kopf und sah Keil, der sein krankes Bein nachzog, unentwegt weiterstapfen, gar nicht daran denkend, Deckung zu nehmen. Halluweit

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