angeschlossen war. Der Chef ließ ihn gar nicht zu Worte kommen, legte sofort los: „Die Flak bleibt stehen, wo sie steht! Die Flak ist der moralische Halt der Infanterie! Machen Sie das dem Abteilungskommandeur— wie heißt er— also Buchner, machen Sie das dem Buchner klar! Keinen Schritt zurück!“
Keinen Schritt zurück— diesen Befehl erhielt der Kommandeur des Panzerkorps, diesen Befehl erhielt Gönnern , diesen Befehl erhielt auch Damme . Und Damme gab den Befehl weiter an Enders, und gab ihn weiter an Keil. An die Adresse des Obersten Enders fügte Damme eine Entschuldigung bei, und an die Adresse des Majors Keil einen kräftigen Fluch gegen OKH und„die da oben und gegen Schick sal. Enders antwortete damit, daß er die Telephonschnur durchschnitt und den Apparat in den Papierkorb warf. Keil wurde bei seinem sofort angesetzten Gegen- stoß noch weiter zurückgeworfen. Als Keil danach auf der Straße nach Jeschowka und aus einem Schneeloch heraus sich wieder an den Draht anhängte und wieder Verbindung zu seinem General aufnahm, hatte General Damme keinen kamerad- schaftlich gemeinten Fluch mehr; dieses Mal war er kalt, war er dienstlich, erteilte er eine Rüge, brauchte er Worte, die Major Keil, der seit der Miusfront das Ritterkreuz trug, das Blut aus dem Gesicht trieben, die ihn seinen Heimatort Cranz , seinen Vater, seine junge Frau, eine Fabrik, die er einmal zu übernehmen gedachte hatte, die ihn sich selbst vergessen ließen. Er tauchte außerhalb des Schneelochs in der von Detonationen durchheulten Macht auf, rief seine Leute zusammen:„Hans, Heinrich, Georg— wer macht mit? Fin Stoßtruppunter- nehmen!“
Oberst Enders in der an einem Nebenstrang der Bahn gelegenen Ziegelei hatte nicht nur den Telephondraht durchschnitten, er hatte noch weiteres getan. Er wohmte zwar nicht, wie er Vilshofen vor Tagen mitgeteilt hatte, in dem großen Schornstein, doch in einem der Ziegelbrennöfen, und dieser Raum, der Platz für ein Feldbett, für einen Tisch, einige Stühle, Koffer, Bücher und Utensilien hergab, war überheizt wie ein Treibhaus. Enders saß da, schrieb einen Regimentsbefehl, seinen letzten. Er z0g seine Uniform aus und legte seinen Schlafanzug an. Uniformrock und Bein- kleid hängte er säuberlich über einen Bügel. Von einer Ordonnanz ließ er einige weiße Servietten(er war erst vor zwei Wochen eingeflogen und hatte alles Erforder- liche bei sich) auflegen und den Tisch decken, und dann wurde die Ordonnan? mit einem silbernen Zigarettenetui als Geschenk entlassen.
So fand Pastor Koog, der von dem nõrdlich anschließenden Nachbarn, von Oberst Steimer, nach dem Abreißen der Fernsprechverbindung herübergeschickt worden war, einige Stunden später Oberst Enders und dessen Behausung. Auf dem Tisch Standen zwei Gedecke, zwei Gläser(das zweite Glas ebenfalls gefüllt, aber unberührt geblieben), stand eine halbgeleerte Flasche, lag ein aufgeschlagenes Buch. Oberst Enders lag in seidenem Schlafanzug auf seinem Feldbett.
Neben dem Bett auf einem Koffer stand ein halbgeleertes Wasserglas und ein leeres
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