meister ebenso wie auch dessen Männer, der Oberfeldwebel, der Unteroffizier und die Soldaten des Verpflegungsamtes. Da waren Stahlhelme auf den Köpfen, da blinkte Lederzeug an den Bäuchen, da baumelten Pistolen an den Hüften, da stand ein Posten vor dem Tor, ein anderer vor dem Proviantlager, ein dritter noch vor einem anderen Raum. Und der Posten hatte befehlsmäßig eine Kanne mit Petroleum neben sich, um befehlsmäßig, wenn die Russen kommen würden, Lager und Räume in Brand zu stecken. Der Oberfeldwebel lief hin und her, kontrollierte die Posten, alle paar Minuten betrat er die Hütte des Stabszahlmeisters, fragte draußen:„Wo ist der Chef“, und meldete dann:„Melde: nichts Neues!“
Der Stabs?ahlmeister war seit der vergangenen Macht, seit das Grollen von der Front her ausgesetzt hatte und er aus seinem Bunker herausgestiegen war, nicht geradezu auf den Füßen, aber doch in ruheloser Bewegung. Er wartete, und er hatte zu warten. Von der Division war angewiesen worden, daß das Verpflegungsamt geräumt würde, und zu diesem Zwecke waren einige LKWs abgeschickt worden; diese LKWs waren aber nun schon seit einigen Stunden überfällig. Der Zahlmeister hielt es am selben Fleck nicht lange aus. Immer wieder lief er auf den Hof hinaus, blickte die Land- straße entlang, blickte zum Himmel auf. Lauschte in die Luft und zur Station hin- über, wo das Knattern von Gewehren zu hören war. Er trat auch an den Raum heran, in dem Hauptmann Döllwang sich eingerichtet hatte.„Herr Hauptmann..
„Aber meinen Herr Hauptmann wirklich... wäre es nicht ratsam..
Der Stabs?ahlmeister setzte plõtzlich ab. Das Gesicht unter dem Stahlhelm wurde weiß wie ein Handtuch. Draußen war es, als ob eine Schar kleiner Vögel durch die Luft surrte.
„Ein paar verirrte Gewehrkugeln, Herr Stabszahlmeister.
Der Stabszahlmeister ging zurück, er wollte seine Stube wieder aufsuchen, seinen Nachbarn, den Oberveterinär, anrufen, von dem er wußte, daß er einen PKW be- schafft hatte und der jetzt nur noch einen Kanister Sprit Suchte. Da Sah er auf dem Hof eine Gestalt liegen, einen Unteroffizier, es war sein Unteroffizier Kulicke.
Er starrte den Daliegenden an:„Unteroffizier!... Kulicke!...“
Der Unteroffizier rührte sich nicht. Sein Gesicht war blau, an der Schläfe zeigte sich ein feiner roter Faden.
„Herrgott, ist er tot?“
Stabs?ahlmeister Zabel mußte schon Tote gesehen haben. Er hätte übrigens nur bis zur Station zu gehen brauchen, um zu sehen, wie aus Leichnamen Treppenstufen gebaut wurden. Aber diese Toten, ebenso wie jene, die er gelegentlich am Wege liegen gesehen hatte, waren steif wie Holzpfãhle, waren verdreckt, unkenntlich, hatten gefrorene Gesichtsmasken. Aber sein Unteroffizier Kulicke... an seiner
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