und es gab auch einen Ofen, so weit war also alles in Ordnung. Die auf den Pritschen lagen, rührten sich nicht mehr. Sie waren steif, und man konnte sie anfassen und zur Schiebetür schleifen und hinauswerfen, und so war wieder eine Pritsche frei. Es war da in der Tat Platz für alle! Da der Einstieg aber beschwerlich und die eine schon vorhandene Stufe noch zu niedrig war, blickte man sich um und holte noch weitere der umherliegenden gefrorenen Strünke heran. Die erste Stufe wurde ver- breitert und eine zweite wurde aufgesetzt. Jetzt konnten auch die, welche Bein- verwundungen hatten, in den Waggon hineingelangen. Die aber das gefrorene Ma- terial zu dem Bau heranschleppten Gu den anderen Waggons führten genau die gleichen Stufen), konnten nicht mehr umhin, zu bemerken, daß sie an einem Ende ein paar Steife menschliche Beine und am anderen Ende ein gefrorenes menschliches Genick in ihren Händen hielten.
Ausgerechnet du, mein Gott... nein, dir darf das nicht passieren... und du bist doch noch so jung und schön!.. und du mein lieber armer Mann in Stalingrad ! Der Soldat Stüwe Stand in der Schneenacht und hörte Stimmen. Er hatte den Waggon mit dem Roten Kreuz vor sich. Er sah den Musiker Paußig auf allen vieren hinein- kriechen und im Innern verschwinden. Vor seinen Augen bildete sich ein Gesicht, eine große Nase und wasserhelle Augen. Es war das Gesicht August Fells, der eben- falls hinter der Truppe zurückgeblieben war. Stüwe griff mit seinem gesunden Arm nach Fell und zog ihn zu sich heran.
„Weg hier! Nach dem Verpflegungsamt, da sind wohl die andern!“ sagte er. „Ja, da sind sie wohl“, antwortete Fell.
Die beiden ließen den Behelfs-Sanitätszug und ließen die Station hinter sich.
Am nächsten Tag umfaßte die neue Hauptkampflinie, die niemals mehr eine sein würde und hoffnungslos mürbe geschlagenes Blech und ansonsten nichts als eine Idee auf den Generalstabskarten war, die Station Woroponowo, lief quer durch das Gehöft des Verpflegungsamtes und verlief außerhalb der Ringbahn weiter nach Norden, um bald nach dem Haltepunkt 44, wo die Kampfgruppe Keil lag, nach Gumrak und um Gumrak herum und weiter nach Osten abzubiegen. Aber wie gesagt, diese Linie war nur eine Idee auf dem Papier. Den Soldaten, diesen Resten von Regimentern und Kampfgruppen und den nach wie vor nach vorn geschickten Auf- füllungen war es überlassen festzustellen, was diese Linie in Wirklichkeit bedeutete.
Ohne Licht und wie grauer Rauch zog der neue Tag herauf. Und die Männer, die sich an diesem Morgen auf dem Hof des Verpflegungsamtes erhoben, wirkten auch kaum anders als Gebilde aus grauem Rauch. Ein Mäme, ein paar Worte, ausge- Sprochen von Feldwebel Hanke oder von Unteroffizier Gnotke, und eine Gruppe z0g ab, setzte sich in einem Schuppen oder auf dem Pach eines Schuppens oder in einem Erdloch fest und bezog die neue Stellung. Das ging alles ziemlich formlos und unmilitãrisch vor sich. Eine wirklich militärische, eine geradezu martialische Erscheinung bot im Gegensatz zu den Männern der Kampfgruppe der Stabszahl-
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