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Stalingrad : Roman / Theodor Plievier
Entstehung
Seite
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Dein Weibi. An den Soldaten Kurt Mohr:Mein liebes gutes Sohndl!... Ach, als ob ich nicht wüßte, wie es dort zugeht. Mord und Totschlag und keine guten Aussichten. Und jetzt in der Kälte sollt Ihr Kinder kämpfen. Wenn ich so an Pich denke, dann mõchte ich Dich am liebsten aus der Hölle herausholen und ich möchte für Dich hin. Ich bin schon alt, aber Du bist noch so jung und schön, und schon den Tod vor Augen. Wenn ich Dich nicht mehr vor meine Augen bekomme, Sohnd), da brauche ich auch nicht mehr zu leben... Deine Mama! An den Gefreiten Karl Tußich:Mein ieber armer Karl!... Heute war wieder Sammeltag. Ich habe wieder verkleinert, weil es Dir so schlecht geht. Im Büro sind alle recht lieb und haben Mit- leid, weil Du im Kessel bist, bis auf einen, der war recht gemein, dem geht's zu gut, und Pg. ist er. Weil ich recht geweint habe, meinte er, da darf man nicht gleich ans Argste denken, und es kommen mehr zurück als draußen bleiben. Ich kann Dir gar nicht sagen, wie es in mir kocht, wenn ich daran denke! Ich schau ihn an, den könnt ich verstoßen. So etwas kraucht auf Gottes Erdboden herum! Deine Luise in großer Sorge. An den Obergefreiten Rudolf Dorninger:Mein lieber Rudi!

Man hört noch immer nichts Tröstliches von diesem verfluchten Stalingrad. Ob Ihr den Ring sprengen könnt, den die Russen um Euch geschlossen haben? Geb' Gott , daß alles gut geht. Es ist aber auch zu grausam, statt in den Urlaub, in den Ring. An den Soldaten Robert Brünner:Lieber Bert! Deine Briefe waren in der letzten Zeit etwas rätselhaft. Jetzt wissen wir Bescheid, durch Zufall, nicht durch Radio... An den Soldaten Hans Pippmansberg: Mein lieber Hans! Du bist ganz auf eine falsche Zeit auf die Welt gekommen. Oft denkt man, sind wir denn verlassen? In den Zeitungen wird nicht gedruckt, wie es in Stalingrad zugeht. Da wird nur das Schöne hineingedruckt, im Kino ist es das gleiche. Wenn sie die Wahrheit schreiben und zeigen würden, dann würden die Leute närrisch. Bei uns Sagen sie jetzt, daß Ihr schon sechs Tage absolut nichts mehr zu essen habt... An den Soldaten Albin Hedenick:Mein liebster Albin! Ich hab geglaubt, mir Zerreißt es das Herz. Hörst Du, Du mußt ja zurückkommen. Wir wollen ja keinen andern Papa. Du warst ja so gut zu mir, hast mir jeden Wunsch von den Augen abgelesen! Ich habe so ein bestimmtes Gefühl, daß ich mein Manki wiedersehen werde. Nein, nein, nein, Albin, Dir darf nichts passieren... An den Soldaten Fwald Stũwe:Lieber Ewald! Der Mensch kann viel aushalten, aber ich meine, Du hast nun genug ausgehalten. Auch hier in Köln wird es immer knapper und schlimmer. In der Fabrik ist es schrecklich. Kein bißchen Licht und Sonne. Die Fenster sind schwarz bestrichen, und man hat den ganzen Tag eine scharfe Lampe vor sich. Und die Sauflieger kommen Tag und Macht. Ich bin nichts mehr wert. Habe Kopfschmerzen vor Aufregung. Und wenn ich an Dich denke, es ist zum Heulen, da kann man jeck werden. Deine Tilla. An den Feldwebel Heinrich Pöhls: Mein lieber Heinrich!. Dem Bäcker seine Mutter war auch Freitag bei mir fragen, ob ich auch keine Post bekomme. Ich höre nichts von Dir, Du schreibst nicht mehr. Hörst Du, Heinrich, was soll ich anfangen, und mit den Kindern, was

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