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Stalingrad : Roman / Theodor Plievier
Entstehung
Seite
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Sie denn nicht etwas auf Sauberkeit halten! Sagte ich. Hat ja alles keinen Zweck mehr, Herr Oberst! antwortete einer. Was soll man nun dazu sagen!

Ja, gräßliche Zustände! meinte Gönnern .

Und wo ist dieser Henkel geblieben?

Ich hab' ihn wieder nach vorn bringen lassen. Er ist nicht mal dort angekommen, ist wieder verschwunden. Mun, ich will ihn nicht mehr sehen. Ich frage mich nur, wozu man uns solche Leute in den Kessel schickt? Der Mann hat bisher nichts vom Kriege gesehen, hat den ganzen Krieg über in einer Drucherei gesessen und Formulare gedruckt!

Gönnern und Damme und Lundt saßen da und warteten auf den zum General befõörderten Vilshofen .

Der bleibt aber lange!

Nun, der wird unterwegs irgendwo in einem Loch liegen!

Draußen stampften die Geschütze der Batterie.

Mit diesen Spritzen werden wir den Brand auch nicht mehr löschen! Man sollte lieber die Munition sparen für den Infanterieangriffl Und nachdem Damme keine Erwiderung erhielt:Nun, ja, wir können hier ja nichts tun, als stehen, unsern Kopf hinhalten und fallen, aber wir müßten doch wenigstens wissen, wofür? Sagen Sie, Gönnern , wofür?

Kämpfen, eine andre Antwort weiß ich auch nicht!

Sagen Sie, Gönnern , wie war das mit dem ollen Blücher bei Radkau , der Korps- kommandeur hat das neulich erwähnt!

Der hatte kein Brot und keine Munition mehr, da hat er die Waffen gestreckt! Na, eben, das meine ich ja!

Die Einschläge der russischen Artillerie lagen näher.

Die verdammten Spritzen da draußen, die zichen uns noch den ganzen Scherben- segen auf den Kopf. Wo bloß der Vilshofen bleibt; man könnte doch einen Ent- spannungsbridge ansetzen!

Als endlich die Tür aufging, war es nicht der beförderte Vilshofen , sondern es war der evangelische Pfarrer der Dammeschen Division, Pastor Koog, der eintrat. Nun, ist der Kalser(das war der katholische Kollege) wieder aufgetaucht? fragte Damme .

Bei Woroponowo ist er geschen worden. Aber ich komme in einer andern Ange- legenheit, in der Sache des Soldaten Krämer.

Der Soldat Krämer hatte seinen Posten verlassen und hatte sich in der Gehöft- ruine, vor der er aufgestellt worden war, verkrochen und dort 36 Stunden hinter- einander geschlafen und war deshalb zum Tode durch Erschießen verurteilt worden. Gan? unmöglich, ich habe mit ihm gesprochen, das Urteil kann nicht vollstreckt werden, Herr General! brüllte Koog seinem Divisionskommandeur in die Ohren, wãhrend draußen die Batterie donnerte und das Grollen der Front keine Sekunde aussetzte und die Erde im Bunker bebte und rieselte und Stücke der Decke herabfielen.

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