Vilshofen beobachtete am Scherenfernrohr eine Bewegung im Schnee. Weiß auf Weiß, ein Geschiebe und Aufstäuben, in Ausgangsstellung fahrende Panzer. „Major! Sehen Sie nicht. d
„Schon gesehen!“
„Halten Sie doch da mal zwischen!“
„Kann nicht... keine Munition!“
Minuten später. Russische Kampfflieger,— herabstoßend sah die Staffel aus wie ein in Bälle und Teile zerspringendes dunkles Gestirn. Motorengeheul. Bomben- einschläge. Aufspritzende Fontänen— FErde, Stücke, Waggonteile. Aus dem Bahn- park aufschlotternde schwarze Rauchsäcke.
Eine Woge heißer Luft dammte auf, fuhr über die Gesichter.
Und die Flak schwieg— die Rohre waren nicht einmal hochgekurbelt, sie waren für den Erdkampf, für Panzerbeschuß eingestellt, für anderes war keine Munition da. Der Flakkommandeur konnte nicht eingreifen, halb ohnmächtig vor Wut klam- merte er sich mit beiden Fäusten an das Geländer des B-Standes und starrte in Dreck und Rauch und Chaos hinaus.
B-Stand, doch was ist hier zu beobachten, nichts als der eigene Untergang! Der Rauch wurde dichter, und die Rauchmassen aus der Steppe schwemmten gegen den Ort, brandeten hoch auf und verschlangen alles. Die Plattform des Wasserturms Schwamm wie eine Gondel auf treibendem dũsterem Meer. In Woroponowo kreischte zerreißendes Metall und donnerten Einschläge der Artillerie. Der Wasserturm zit- terte wie der Mast eines Schiffes in rasender Fahrt. Er warf sein Betonkleid ab, stand plõtzlich da auf langen nackten Eisenfüßen.
„Auch Jelschanka liegt unter Feuer!“
Das war im Rücken, und auch dort über Jelschanka mit den Divisionsstäben urd dem Korpsstab, auch über der Ruinenstadt und der Wolga kochten Rauchmassen auf. Dutzende Kilometer weit waren die Detonationen zu hören. Der ganze Kessel war ein brodelnd aufwallender Topf. Und so weit der Kessel sich ausdehnte, aus ungezãhlten Brandherden und Explosionsstellen wirbelten Rauchdschungel auf, ein schwarzer Morast, himmelhoch aufquellend. Und im Qualm und Feuerschleim auf- Schleudernde Erde, Bunkerdecken, Barrikaden, Wälle aus Pflastersteinen, aus Me- tall, Drehbänke, Dampfkessel, Schalttafeln.. in die Luft gehende Garagen, Muni- tionslager, Batteriestellungen, dazwischen Menschen oder Glieder, Rümpfe, Köpfe von Menschen, an vierzig Meter flogen die Stücke hoch, fielen zurück, wurden wieder aufgewirbelt, um zerrieben und zerpulvert zu werden.
Und da gab es— das war in dem an der Straße Woroponowo-Stalingrad gelegenen Werchnaja Jelschanka- einen Bunker, und in diesem Bunker saß der Korpskomman- deur der in Fetzen gegangenen Südfront, General Jänicke. Der Bunker Jänickes
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