bis an die Ringbahn heran, außerdem hatte Latte, hatte auch Döllwang , überein- stimmend mit Mitteilungen seitens des Nachbarn, des Obersten Enders, beobachtete Bewegungen in den russischen Stellungen gemeldet. Ein sowjetischer Großangriff stand bevor. Vilshofen blickte nach Südwesten über die schneebedeckte Steppe. Von dort draußen mußte es aufbrechen, da draußen mußten— und es war ihm, als ob er sie in Schnee und Dunst in weitem Halbkreis aufgestellt sähe— die russi- schen Panzer stehen.
Neben ihm stand der Flakkommandeur Buchner. Ein Gesicht, dem er schon bei Kletskaja begegnet war, und mit dem er damals eine Nacht im gleichen Bunker geschlafen hatte.
Buchner führte ein Gespräch über Brennstoff.
„Wenn wir hier wieder türmen müssen, dann sieht es düster aus, dann können wir die Schwere Flak wegwerfen, Herr Major!“ sagte der vor ihm stehende Leut- nant.—„Ausgeschlossen, Stampfer! Fahren Sie nach Werchnaja Jelschanka, nach Minina, durch alle Schluchten, Klappern Sie alle Stäbe ab. Und nehmen Sie den Januscheck mit, der ist findig, der riecht, wo Sprit ist. Sprit müssen wir haben, sonst sind wir verloren!“
„Wozu man uns nur hierhergeschickt hat!“ wandte Buchner sich an Vilshofen , nachdem Leutnant Stampfer gegangen war.„An der Westfront, wo wir heraus- gezogen wurden, bleibt ein Loch, und hier werden wir auch kaum eins zustopfen. Fast unsern ganzen Sprit haben wir auf dem Wege verfahren, und das wird dann alles gewesen sein, was dabei herausgekommen ist!“
„Was ist los, Loose?“
Der Adjutant Buchners, Leutnant Loose, war herangetreten:„Verzeihung, Herr Oberst... Herr Major, das Panzerkorps, es handelt sich um eine geänderte Dispo- sition, um die Vorverlegung der Batterien!“
Major Buchner griff nach dem Fernsprechhörer:
„Jawohl. was verbinden Sie mich bitte mit dem Chef... dann mit dem IA! Die Flak im Mahkampf, seid ihr denn wahnsinnig geworden, auf 2000 Meter schießt sie doch am besten.. Aber Herr Oberst, die Geschütze werden mir doch abgeschossen wie die Spatzen
Vilshofen verstand, um was es hier ging. Und es ist wahr, die dünne Linie seiner Männer konnte wahrlich eine Hilfe brauchen. Aber es ist ebenso wahr, in der vor- dersten Linie würden die Flakgeschütze kaum zum Schuß kommen und werden so eine fragwürdige Hilfe bedeuten.
„Zu Befehl!“ hörte er Buchner zum Abschluß sagen.
Es klang ebenso wie:„Leckt mich am Arsch!“
Kampf gegen militärischen Wahnsinn! Auch nötig, aber es war nicht dieser Kampf, an den er in der Nacht gedacht hatte! Himmel, wo ist der Oberbefehlshaber, wo der General, wo der Kommandeur, der die Schmach von sich abwirft, der das Signal zum Ungehorsam gäbe, der nicht mehr Ungehorsam, der Gebot der Stunde,
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