noch einen, den er schon in kurzen Hosen gekannt hat, und als er zum erstenmal von seinem Onkel auf den Rücken eines Ackerpferdes gehoben wurde, und der, herangewachsen, alle auf ihn gesetzten Hoffnungen gerechtfertigt hat und ihm fast wie ein Sohn ist; und was tut er, statt diesen Haufen festzuhalten, überhaupt zu erhalten für ein Jenseits dieses Todeskessels, das doch sein wird, das doch auf- steigen muß, Statt seine Leute für solches jenseitiges und besseres Ziel aufzusparen, läßt er sie nach vorn ziehen, schickt sie abermals ins Feuer, um den Pesthauch, der im Rücken aufsteigt und schon zum Himmel stinkt, um diesen Pestsack noch um Tage zu erhalten und noch weiter ausreifen zu lassen.. Ein Oberst Enders, ein Hauptmann Döllwang , und sie sind nicht die einzigen, wozu schickt man solche Leute in den Kessel, ist es nicht so, als ob Stalingrad schon als die gegebene Hin- richtungsstätte betrachtet würde?! „Jenseits Stalingrad“, solches Wort hatte jener Arzt in Otorwanowka gesprochen. Jenseits Stalingrad , was ist das, wo ist der Standpunkt gegeben, wie ist es zu machen, wenn man, geschändet und das gebundene Opfer, bereits auf der Hinrichtungs- stätte liegt? Wo ist der Oberbefehlshaber, wo bleibt die Stimme der Generale? Wo ist der Standpunkt, um die Welt falschen Kalkuls, dünkelhafter Uberhebung, läster- licher Menschenverachtung aus den Angeln zu heben?
Jenseits Stalingrad : das heißt Kampf gegen militärischen Wahnsinn, gegen mili- tärisches(und wohl nicht nur militärisches) Verbrechen!
Aber mein Gott...
Dreißig Jahre, der erste Weltkrieg, der zweite Weltkrieg, haben wir nicht den einen, haben wir nicht auch den andern vorbereitet, haben wir nicht alles auf eine Karte gesetzt, sind wir nicht im Triumph bis an die Wolga gezogen, vermeinten wir nicht, das Recht einseitig aus dem Erfolg der Waffen herleiten zu können?
Einseitige Weltauffassung!
Unseliger Glaube!
Wer konnte uns solches einblasen, welchen engstirnigen habsüchtigen Interessen haben wir gedient und Leben und Wohlfahrt und Zukunft unseres Volkes geopfert! Stalingrad mußte kommen, nicht uns zum Triumph, uns zur Lehre! Jenseits Stalin - grad: das ist Kampf gegen militärisches und nicht nur militärisches Verbrechen, gegen langen Irrweg, ja, auch gegen eigenes In-die-Irre-Gehen, ja, auch und zuerst gegen sich selbst!
Kampf, drauf und dran..
Aber da war die Macht über Vilshofen gekommen. Er lag, ohne Mantel, ohne Uni- formrock, ohne Stiefel, und seit vielen Tagen unter einem richtigen Dach und schlief.
Vor Tagesanbruch stand Vilshofen auf der Plattform des Wasserturmes zwischen Fernsprechkabeln, E-Geräten, Männern mit umgehängten Kopfhörern und starrte in den dämmernden Tag hinaus. In der Macht waren Meldungen eingegangen be treffend Aufgabe von Pitomnik-Flugplatz, Pitomnik Porf, Zurücknahme der Linie
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