„Was ist l0s, ist was passiert?“ fragte Tomas hastig, als er das junge Gesicht Lattes sich verändern sah.
„Nein, nichts ist passiert. Alles in Ordnung, er ist ganz in Ordnung.“
Irgendwas war ganz und gar nicht in Ordnung! begriff Tomas. Als sie Runz und Hedemann in den Schnee legten, hatte er Vilshofen das letztemal geschen. Was ist mit Vilshofen , was ist nicht in Ordnung? Es war jetzt keine Zeit, Latte darüber auszuholen. Draußen auf der Steppe knatterten MGs, der Wind trug die Geräusche herüber, auch das Heulen eines Raketenüberfalls war zu hören. In der deutschen Linie Rauch- und Dreck- und Schneepilze und im Schnee aufflackernde weiße Lichter.
Beide blickten hinüber.
„Sie haben die ekligen Dinger auf ihren Panzern aufmontiert, bringen sie nah heran sagte Latte.—„Liegt da draußen vielleicht die Kampfgruppe Schwandt?“ fragte Tomas.—„Nein, das ist Gruppe Keil, auch alte Bekannte übrigens. Herr Hauptmann kennen sie, das sind Ostpreußen , MGBataillon 9. Der Kommandeur liegt da drüben in der Schlucht, Herr Hauptmann!“
„Aber du sollst doch Hannes sagen!“
„Also dann: Hannes!“
Sie schüttelten einander die Hände. Latte zog hinter seinen Leuten her. Tomas trat wieder an seinen Wagen heran. Er wollte zu der Schlucht hinüberfahren und den Kommandeur Keil aufsuchen. Es war die von der Straße abbiegende hufeisen- förmig gekrümmte Schlucht mit den Bunkern des Verpflegungsamtes. Wie in den früheren Tagen stauten sich vor der Finfahrt Mengen Kfz, dieses Mal waren es die von den Verpflegungsstãben für den Abtransport der Vorrãte mobilisierten Fahr- zeuge. Sie rollten Wagen nach Wagen in die Schlucht hinunter, fuhren vor den Bunkern vor, kamen beladen am anderen Ende der Schlucht wieder heraus und auf die Straße zurück. Tomas war im Begriff, seinen PKW wieder zu besteigen, als voraus ein Geknatter einsetzte. Ein MG feuerte und aus einiger Entfernung war eine Pak zu hören. Ein scharfes Krachen, und über der Schlucht stand sekundenlang eine Pulverwolke, verlor sich dann am dunstigen Himmel.
Nach einer Pause krachten noch einige Panzergeschosse. Und das war wie ein Signal. Für die Nerven der Zahlmeister und Verpflegungsgehilfen war es zuviel. Pitomnik erlebte, was es schon einmal erlebt hatte. Die LKWs, beladene und unbeladene, bemannte und unbemannte(wer seinen Wagen nicht erreichte, schrie und fluchte und lief hinterher) setzten sich in Bewegung. Tomas konnte sich gratulieren, daß er sich noch auf dem Flugfeld und noch neben der Straße befand. In Straßenbreite sah er die Wagen herankommen-(ine Handvoll Erbsen, von schleudernder Faust über ebene Bahn ausgestreut)— zuerst einen, dann zwei, dann drei, dann einen Klum- pen, dann die ganze Menge, und der erste versuchte den zweiten und der zweite den dritten, und einer den anderen zu überholen, und abgerissene Kotflügel und
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