an Kranken und Sterbenden aufzunehmen, und daß der Marsch des Todes nun auch auf seine Straße übergriff.
Das war der Norden, der jetzt hart an den Verteidigungsring heranrückte. Der In- vasion durch die Wankenden und Sterbenden konnte dieses Gebiet mit den gut getarnten Bunkern und seinen durch den Schnee getretenen Wegen sich nicht länger sperren, dem direkten Zugriff durch die gegnerischen Waffen blieb dieser einmal zentrale und jetzt nördliche Teil des Kessels auch dieses Mal noch entzogen. Das Finreißen des Todessackes geschah vom Süden her.
Sieben Tage waren vergangen seit dem Kapitulationsangebot des Sowjetoberkom- mandos. Sieben Tage hatte der Druck von Westen und Südwesten her angehalten. Der Ring der Verteidiger hatte Brüche gezeigt, hatte sich enger zusammengezogen und wieder geschlossen; er wurde immer wieder aufgerissen, und seine Finheiten wurden immer weiter gerollt, von Westen her gegen Pitomnik und die Ringbahn und von Südwesten her ebenfalls gegen die Ringbahn.
Pitomnik war in Panik verlassen worden.
Auf Befehl der Armeeführung sollte es anderntags von den Versorgungsstãben wieder aufgesucht und geräumt werden. Es war schon spät, schon gegen 11 Uhr geworden (und bald nach drei wurde es schon dunkel) bis die Zahlmeister mit ihrem Gefolge von Oberfeldwebeln und Unteroffizieren und Gefreiten und mit langen Wagen- kolonnen auf dem Platz eintrafen. Auch die Flugleitung und das Bodenpersonal, soweit es auf den Fluchtstraßen hatte angehalten und festgestellt werden können, traf auf einigen Kf? wieder ein. Es war hohe Zeit,— zwei Junkers und eine große viermotorige Condor kreisten wie ratlose Vögel über dem verlassenen Mest. Ohne Signale und ohne Anweisungen vom Boden her, auch ohne zu wissen, was inzwischen geschehen sein konnte, wagten sie nicht auf dem weiten Friedhof von Maschinen zu landen.
Sie erhielten die Landesignale, schwebten nieder und setzten sich an den Boden. Die Flugzeugführer verließen ihre Plätze, kletterten herunter und vertraten sich die Füße. Die Motoren und Propeller ließen sie laufen. In zchn, zwanzig Minuten mußte das Aus- und Finladen fertig und mußten sie wieder starthereit sein. Sie blickten sich um, einer der beiden Ju-Führer, der schon oft hier angeflogen war, zog die Mase kraus, sog wie witternd die Luft ein. Etwas war geschehen, etwas war anders als Sonst. Der sonst immer aufgeregte Flugleiter war nicht aufgeregt, war grau im Ge- sicht und blieb stumm. Der Flieger betrachtete einen in der Nãhe stehenden Fieseler- Storch, ein Autoomnibus war hineingefahren und hatte die Kabine eingedrückt; auch sonst hatte es Kollisionen auf dem Platz gegeben. Einen Kübelwagen beobachtete er, der zwischen den abgestellten Flugzeugen umherkurvte, bald hier, bald da bei einer Gruppe anhielt und nach kurzem Hin und Her weitersauste, um wieder anderswo anzuhalten. Der Flieger drehte sich weiter in kleinem Umkreis herum. Auf dem Schneefeld lagen Tote. Er erblickte den anderen Ju-Führer und schlenderte hinüber. Sie betrachteten eine Reihe auf Traggestellen Ausgestreckter mit verbundenen
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