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Stalingrad : Roman / Theodor Plievier
Entstehung
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wie man sich da im Notfall helfen kann, die Ernährung muß doch sichergestellt werden, ich will sagen, sie muß auf einer festen Grundlage beruhen.

Herr Hauptmann, feste Grundlagen haben wir überhaupt nicht, weder in der Ver- pflegung, noch in der Munitionierung, überhaupt ist nichts da!

Aber wie haben Sie sich denn da verpflegt?

Alles Zufall, unterwegs haben wir da manches gefunden, was Rückwärtige Dienste, wenn sie getürmt sind, weggeschmissen haben. Und als die Stäbe noch alle nach Osten Z0gen, da wurden auch mal Pferde durchgetrieben, auch mal eine Vichherde, da haben wir natürlich auf der Lauer gelegen, mal ein Pferd, mal eine Kuh gefangen, dann ein Strick an den Hals und am Kübelwagen ein Ende hinterhergeschleift und dann geschlachtet, das ist natürlich von der Hand in den Mund gelebt.

Aber das ist doch alles ganz schrecklich!

Herr Hauptmann, solange da noch was zu finden war, war es noch nicht so schreck- lich. Aber heute, wo überhaupt nichts mehr da ist, nichts zu essen...« Uberhaupt nichts zu essen..., das hält doch kein Mensch aus!

Der Leutnant grinste, ein unverständliches und widerliches Grinsen in so ernster Sache, und Hauptmann Henkel sagte schnell:Also gehen wir, die Stellungen an- Schen!

Als sie aufgestanden waren und das Erdloch verlassen hatten, und die Stimme des Hauptmanns noch einmal aufhallte und er über die Dunkelheit lamentierte und behauptete, daß man die Hand vor Augen nicht sehen könne, da richtete der neben dem Feuer zusammengesunkene Fahrer sich auf und schüttelte nachdenklich seinen Kopf.

Der Fahrer dachte: Den werden wir nicht lange bei uns haben, den könnten wir hier gleich an Ort und Stelle beerdigen.

Stunden vergingen, und der Fahrer, der sich in sich zusammengekrochen hatte, wachte wieder auf. Und wieder war es die leidende Stimme Henkels, die er vernahm. Henkel und Lawkow waren von ihrem Besichtigungsgang zurückgekehrt, und der Fahrer vernahm immer wieder denselben Refrain:

Aber das ist doch nicht möglich!

Kein Bunker, kein Graben, kein Stacheldraht, da ist doch überhaupt keine Linie! Ist doch nicht möglich!

Und womit soll denn gebaut werden, kein Nagel und auch kein Brett! DPas ist doch nicht möglich!

Dann sagte Henkel:

Ich kann Ihnen sagen, Herr Lawkow, ich habe doch eigentlich so gar keinen Ehr- geiz, und ich wollte auch gar kein Bataillon führen!

Und nach einer Weile:

Man hat mir in Charkow gesagt, daß hier ganz sicher Entsatz eintrifft!

Ich glaube nicht mehr an Entsatz! sagte Lawkow.

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