lich da noch mal rausgehen. Die Kerle haben nichts zu essen bekommen, da muß ich ihnen wenigstens noch was vormeckern!“
„Wie meinen Sie das: was vormeckern?“
„Herr Hauptmann, da die überhaupt nichts zu beißen haben, muß man ihnen geistig etwas vorbrocken, das habe ich immer so gemacht!“
Hauptmann Henkel, seines Zivilberufs nach Justizinspektor aus Bautzen , und an eine genaue und abgemessene Lebensweise und auch an genauen und sachlichen Ausdruck der Sprache gewöhnt, wurde dieser kleine Leutnant mit den unterge- schlagenen Beinen und mit den Pockennarben und ansonsten ganz gewöhnlichem Dreck auf dem Gesicht allmãhlich verdãchtig, und er verbat sich eine derartig un- prãzise Redeweise, bei der man sich gar nichts vorstellen kõnnte, noch dazu in einem dienstlichen Bericht und bei der Ubergabe eines Bataillons, wie er betonte. Leutnant Lawkow wurde dienstlich, und KHauptmann Henkel erfuhr, dieses Mal gan? präzis, daß die Truppe vorn seit drei Tagen kein warmes und am gleichen Tage auch kein kaltes Essen erhalten hätte.
Hauptmann Henkel fuhr auf:
„Aber da muß doch sofort die Feldküche hingeschickt werden!“
„Eine Feldküche gibt es bei uns nicht, Herr Hauptmann. Und es ist auch nichts da, was man in die Feldküche hineinbrocken könnte. Wir haben heute abermals keine Verpflegung vom Regiment erhalten!“
„Das sind doch aber unhaltbare, ganz furchtbare Zustände, da muß ich sofort den Regimentskommandeur anrufen!“
„Jawohl, Herr Hauptmann, werde sofort verbinden!“
Lawkow griff nach dem neben dem Lager stchenden Fernsprechkasten, 708 ihn näher heran und verband Hauptmann Henkel mit dem Regimentskommandeur, Oberst Lundt.
Das Gespräch dauerte einige Minuten. Leutnant Lawkow saß dabei, dick aufge- plustert vom Mantel und von Schals und allem, womit er sich umwickelt hatte, und beobachtete das Gesicht des Hauptmanns und sah, wie er blaß wurde.
Henkel legte mit matter Hand den Bernsprechhörer zurück. Er sagte nichts, faßte den im trüben Glast des Feuers sitzenden Lawkow ins Auge, als ob er ihn jetzt erst sähe. Nach einer Weile sagte er:„Aber, ist ja ein sehr nervöser Herr, unser Oberst!“
Oberst Lundt hatte ihm in bezug auf die Verpflegung erwidert:„Sch'n Sie zu, wie Sie's machen. Ich kann Ihnen da auch nicht helfen. Ubrigens halten Sie sich da an Ihren Leutnant, der weiß in diesen Dingen Bescheid!“ Parüber hinaus hatte er ihm aufgetragen:„Vor allem befestigen Sie die Stellung mit allen am Orte aufzu- findenden Mitteln, und da ist keine Stunde zu versäumen!“
So beschloß Hauptmann Henkel noch in der gleichen Stunde, die vorderste Linie zu besichtigen. Ehe er aufstand, um sich von Lawkow führen zu lassen, kam er noch einmal auf die Verpflegungsfrage zurũck.„Der Oberst Sagt, Sie wüßten da Bescheid,
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