Druckschrift 
Stalingrad : Roman / Theodor Plievier
Entstehung
Seite
138
Einzelbild herunterladen

auch ihr Bewohner sichtbar wurden. Da war nichts als ein Lager aus Mänteln und Lumpen, da war das Fcuer, herum standen einige Kochgeschirre und Konserven- büchsen, zwischen Feuer und Lager ein Kasten mit einem Fernsprechapparat; auf dem Lager hockte mit untergeschlagenen Beinen und unter einem an Stöcken auf- gestellten und ihn wie ein Zelt überragenden Fahrerpelz ein Kleiner Kerl mit pocken- narbigem Gesicht. Das war(er Stand auf und stellte sich vor) der vertretende Batail- lonsführer, Leutnant Lawkow.

Warum sitzen Sie denn eigentlich hier in der Nacht, wo ist denn Ihr Bunker, Herr Leutnant? fragte Hauptmann Henkel, nachdem er sich von seiner ersten Uber- raschung erholt hatte.

Hier ist der Bataillonsgefechtsstand, Herr Hauptmann Das ist doch nicht möglich, und wo soll ich denn Quartier bezichen?

Da muß man zusammenrücken, hier unterm Mantel gibt's schon noch Platz! Das ist ja furchtbar, und wie sieht es denn hier aus! Hier ist doch überhaupt nichts, rein gar nichts! Und wo liegen die übrigen Offiziere in Quartier?

Ich bin der einzige Offizier im Bataillon!

Mein Gott ! sagte Henkel nur.

Wollen Herr Hauptmann nicht Platz nehmen!

Platz nehmen.. Es blieb nichts anderes übrig, und auch Henkel kroch unter den zeltfõrmig dastehenden Mantel. Auch Lawkow hockte sich wieder hin und 70g seine Füße wieder unter sich.So schützt man sie am besten! sagte er.

Wie meinen Sie?

So schützt man seine Glieder am besten vor dem Erfrieren, wenn man sie dicht am Leib hat!

Mein Gott, was habe ich nur angestellt! dachte Henkel. Da habe ich in Charkow gesessen in einer Heeresdruckerei, ein ruhiger Posten, eigentlich zu ruhig und eben überhaupt keine Befõrderungsmöglichkeit. Und da hat man die Gelegenheit ergriffen und sich nach Stalingrad schicken lassen, wo einem als Hauptmann sofort die Füh- rung eines Bataillons zugesagt worden war.

Da saß er, und da hatte er jetzt auch das Bataillon. Aber du meine Gůte, das ist doch alles gar nicht wahr, das kann nicht wahr sein! So ein Bataillonsstabsquartier ist doch nicht denkbar, Sowas ist doch noch nicht dagewesen, und diese Sache muß sich doch entwirren.

Vor allem heißt es, sich baldmõglichst mit den Bataillonsgeschäften vertraut machen. Und wo liegt das Bataillon gegenwärtig, Leutnant Lawkow?

Da draußen, erwiderte Lawkow und deutete mit der Hand über die schnee- verwehte Erdspalte hinweg, da er aber die darüber sich hinbreitende Steppe meinte, wies seine Hand eigentlich in den mit Sternen übersäten Klaren Winter- himmel.

Da draußen, in Löchern, zu zwei Mann, zu drei Mann, auch mal fünf Mann. Wir flankieren hier eine von Bolschaja Rossoschka herführende Straße. Ich müßte eigent-

166

138