Nachdem Januscheck und auch der Feldwebel gegangen war, sagte Major Buchner zu Loose und Stampfer:„Meine Herren, mir fehlt der Ausdruck, so was ist noch nicht dagewesen. Das heißt doch wirklich, daß er uns verlassen, daß er uns im Stich gelassen und im Geiste vchon ins Grab gelegt hat. Aber der Kommandeur hat recht: Wir sind noch da, und es bleibt uns nichts anderes übrig, als auf den Trümmern weiter zu kämpfen!“
„Ich verstehe es dennoch nicht, Herr Major!“ sagte Leutnant Loose:„Einer, der an führender Stelle uns in die Katastrophe hineinmanövriert hat, darf sich also in ein Flugzeug setzen und uns im Untergang zurücklassen.
Ich frage nach der geistigen Haltung, Herr Major!“
„Ja, du mein Gott, geistige Haltung!“ sagte Buchner nur.
Pin anderer der an der Widerstandslinie„Veilchen “ liegenden Haufen war das Regiment Lundt, und da war es eigentlich nur der in einer Balka liegende Regiments- Stab und die einige Kilometer weiter vorn verstreut liegende Truppe, die auf Batail- lonsstãrke zusammengeschmolzen war. Und diese Truppe war seit der Rückbewegung von der Westfront praktisch von dem Bataillonsadjutanten, Leutnant Lawkow, ge- führt worden.
Aber jetzt war ein Bataillonsführer, der die Truppe übernehmen sollte, der einge- flogene Hauptmann Henkel, unterwegs. Auf Anordnung des Divisionskommandeurs und um Brennstoff zu Sparen, war der Umweg in die Schlucht, in der Oberst Lundt mit dem Regimentsstab lag, unterblieben, und der LKW mit Hauptmann Henkel fuhr dirckt zur vordersten Linie, d. h. zu einem Punkt in der Mitte der in der Schnee- wüste verstreut liegenden Trupps, wo der vertretende Bataillonsführer Lawkow sein Quartier aufgeschlagen hatte.
Hauptmann Henkel Kletterte aus dem Fahrerhäuschen des LKWs. Der Fahrer kletterte hinterher. Und da standen beide, der Hauptmann und der Fahrer, der die beiden Koffer des Hauptmanns in der Hand hielt, auf dem weißen Feld und unter starrenden Sternen.
Henkel blickte sich um.
„Hier geht es lang, Herr Hauptmann!“ Der Fahrer schritt voraus auf einem in den Schnee gestapften Fußweg. Der Pfad wurde abschüssig, führte weiter am Boden einer Erdspalte entlang, die kaum Manneshöhe überstieg, führte durch Schnee- verwehungen und endete plõtzlich vor einer halboffenen Höhle.
„Hier ist es, Herr Hauptmann!“
„Was, wieso... da muß doch ein Bunker sein!“
„Hier ist es, Herr Hauptmann!“ wiederholte der Fahrer.
Noch einen Schritt weiter, und Henkel stand noch immer unter den kalt funkelnden §rernen und mit den Füßen im tiefen Schnee, nur daß ein Loch in die Wand hinein- gehackt war, daß am Boden ein Feuer glimmte und abscheulich stinkender Rauch ihm ins Gesicht schlug, und daß sich da jetzt eine Hand ausstreckte, das Feuer an- fachte, 8o daß in dem roten Glast die Ausstattung der Höhle und für Augenblicke
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