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Stalingrad : Roman / Theodor Plievier
Entstehung
Seite
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Erbse und nicht einen Faden Fleisch abnehmen können, das gab es in der Kampf- gruppe Keil nicht.

Keil war noch nicht dreißig Jahre alt. Auf seinem Gesicht zog sich eine tiefe Schmarre vom linken Auge bis zum Mund. Bei Bjelgorod hatte ihm ein Splitter das Gesicht aufgerissen. Diese Verwundung war indessen verheilt und schnell vernarbt. Nach- haltiger war eine Verwundung, die er im Winter 1941 vor Moskau davongetragen hatte; und wenn sie auf dem Marsche waren, und wenn er länger dauerte, dann hinkte er etwas. Unter solchen Umständen setzte er sich auf einen Handschlitten, und seine Ostpreußen zogen ihn dann, einander abwechselnd, hinter der Truppe her. An diesem Abend tranken sie zu viert die zwei Flaschen Kognak aus. Das hielt Keil nicht davon ab, nachher noch, begleitet von dem MG-Schützen Wischwill, die vorderen Stellungen aufzusuchen, um an Ort und Stelle festzustellen, wie weit Seine Truppe nach links über das Gelände hinweg, auf dem nichts war, auszufãchern

vermöchte.

An ciner andern Stelle der WiderstandslinieVeilchen lag die Flakabteilung Buch- ner. Das eine Mal bei Werchnaja Businowka, das andere Mal bei den Kasatschi- hügeln untergegangen, war sie jedesmal wieder erstanden, und das war nicht zum wenigsten dem noch jungen, aber energischen Leutnant Stampfer und dem Feld- webel Minz zu verdanken, die immer für einen gehörigen Spritvorrat und vor allem dafür gesorgt hatten, daß die Vorräte weit hinten in Sicherheit lagerten. So hatte aus dem an den Fluchtstraßen weggeworfenen Geschütz der Bestand der Abteilung beide Male wieder einigermiaßen aufgefüllt werden können, und Buchner hatte hier an der neuen Linie außer den im Mannschaftszuge mitgeführten 2-cm-Flakgeschützen auch noch eine volle Batterie schwerer 8,8-cm-Flak in Stellung bringen können. Major Buchner, Leutnant Stampfer, Feldwebel Minz saßen im Bunker, und vor ihnen stand Unteroffizier Januscheck. Januscheck war auf dem Regimentsstab und auf dem Verpflegungsamt Pitomnik gewesen, und was er aus dem Stab an Neuig- keiten mitgebracht und bei der in Pitomnik liegenden Flakabteilung bestãtigt erhalten hatte, das war auf den Flakkommandeur und dessen Gehilfen von solchem Eindruck gewesen, daß sie wie vor den Kopf geschlagen dahockten.

Umeroffhkier Januscheck aber stand da und grinste.

Was grinst du Dackel eigentlich? wollte Buchner wissen.

Verzeihung, Herr Major, aber ich weiß es vom Welisch, und der hat es vom Sepp Reisinger gehört, der ist bei der Nachrichtenkompanie und der hat es geschen, und genau so verregnet hãtt' auch der Regimentskommandeur dagehockt, als er die Nach- richt bekommen hatte, und der Stabshauptmann und der Adjutant ebenfalls, und von einem untergehenden Schiff haben's gesprochen und von Ratten und dabei hat es sich gar nicht um ein Schiff gehandelt, sondern um eine Ju, und auch gar nicht um eine Ratte, sondern um unsern General, der da drin gesessen ist!

Halt schon deine Goschen, Januscheck! sagte Buchner.

Aber Januscheck war noch nicht fertig:Und der Herr Oberst hätt', und das weiß

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