Das war die Widerstandslinie„Veilchen “: Hunger und Kälte und Soldatenhaufen in den Schnee geduckt und keine Verbindung
oder noch keine Verbindung von einem Haufen zum andern. Und andere von Westen
her noch auf dem Marsch oder auf der Flucht, manche die Linie niemals erreichend, andre sie doch erreichend, aber dort nicht Stellung einnehmend, sondern gleich weiterziehend. Einer der in Stellung gegangenen Haufen war die Kampfgruppe Vils - hofen, ein andrer war die Kampfgruppe Keil, noch ein andrer war das Regiment Lundt, noch ein andrer die Flakabteilung Buchner.
Von der Kampfgruppe Vilshofen nur durch die Straße getrennt lag die Kampf- gruppe Keil. Major Keil war der NMachfolger eines Regimentskommandeurs, der sich beim Zusammenbrechen der Westfront erschossen hatte. Der Kern seiner aus Versprengten Zusammengeworfenen Truppe war das ostpreußische MG-Bataillon 9. Keil, ein junger vorpatentierter Major, war ebenfalls Ostpreuße , der Sohn eines Autoschlossers und später Inhaber einer Tankstelle und Reparaturwerkstelle an der Landstraße Königsberg -Cranz . Keil lag schon einen halben Tag länger als Vilshofen hier in Stellung und hatte bercits eine Fernsprechstrippe nach vorn legen lassen.
Er hielt den Fernsprechhörer am Ohr:
„Wer ist da,— ach, das ist der Vierkant! Also hör mal, Vierkant, wir haben da unter- wegs in einem Stabsbunker Kognak gefunden. Mein, leider keine zwei Kisten, nur Zwei Flaschen. Was soll nun damit werden? Wenn ich ihn verteile, kommt auf jeden ein Fingerhut voll, und es reicht nicht mal rund!“
„Wenn ich der Major wäre, würde ich ihn selbst saufen und ohne Gewissensbisse!“ erwiderte der MG-Schütze Vierkant von vorn aus der Stellung.
„Ich denke ja auch so!“ sagte Keil:„Also in diesem Sinne: ich trinke für euch alle! Der wird also hier im Stab gekübelt und zwar auf der Stelle. Nun, noch was, Vier- kant. Das handelt sich aber nicht um Schnaps, paß gut auf! Mach rechts haben wir Verbindung zur Kampfgruppe Vilshofen, aber nach links haben wir gar nichts. Da soll ein Regiment Schwandt irgendwo herumbiestern. Sag dem Hauptfeldwebel, er soll einen Spähtrupp aufstellen und nach links hin erkunden lassen, was da eigentlich los ist. Verstanden?“
Vierkant wiederholte den Befehl und damit war die Sache erledigt.
Keil wandte sich an seinen Stab, und sein„Stab“, der mit ihm das gleiche Erdloch bewohnte, war der Koch der Truppe, Heinrich Halluweit aus Kraupischen, und war sein langjähriger Bursche und Melder, MG-Schütze Karl Wischwill aus Ballupõnen, und der Feldwebel und Porfschullehrer Göritt, ebenfalls aus Ballupönen.
„Also her mit dem Stoff, Heinrich!“
Heinrich Halluweit öffnete die erste der beiden Flaschen.
„Ein Zubiß wäre nicht schlecht, aber da läßt sich nichts machen!“ Und da war in der Tat nichts zu machen, denn von den auch hier zur Verteilung gelangten Portionen, von den 7 Erbsen und 25 Gramm Fleisch pro Mann, hatte man auch nicht eine
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